| Die Alzheimer Krankheit (Morbus Alzheimer) wurde 1906, vor
100 Jahren, in Tübingen zum ersten Mal vorgestellt. Aus diesem Anlass wurde 2006 in
mehreren Veranstaltungen über diese Form der Demenz (SDAT, senile Demenz vom
Alzheimer-Typ) berichtet.
Alzheimer Gedenktafel in der Hafengasse in Tübingen Ich war bei vielen Veranstaltungen dabei und habe interessiert zugehört, was denn die "Alzheimer's Disease (AD)", wie diese Krankheit heute weltweit genannt wird, für mich persönlich und meine vielfältigen Beiträge auf www.seniorenfreundlich.de bedeutet. Sie ist übrigens inzwischen die häufigste Krankheit, die nach einem Menschen benannt ist. "Nervenklinik", heute Psychiatrische Universitätsklinik in Tübingen So berichte ich auf dieser Seite darüber und weiche dabei auch - nebenbei gesagt - von meinem Prinzip etwas ab, über medizinische, (juristische und finanzielle) Fragen zu schreiben. Quellen zu den meisten Aussagen muss man sich leider selbst im Netz suchen. Piktogramm von Matt Mullican, gesehen am Flughafen Stuttgart Es geht hier aber auch weniger um die Medizin, als um gesellschaftliche, eventuelle sogar politische Fragen. Alzheimer (AD) kann - zumindest für eine Generation - die Volkskrankheit der Zukunft werden. Weltweit leiden 20 Millionen Menschen daran, mit hohen Belastungen fürs Gesundheitswesen. Deutschland hat 2007 schätzungsweise insgesamt 1,2 Millionen Demenzkranke (Quelle BMFSFJ).
Bis zum Jahr 2020 wird ihre Zahl voraussichtlich auf 1,7 Millionen steigen, bis 2050 auf mehr als zwei Millionen, sofern bei Prävention und Therapie kein Durchbruch gelingt, was allerdings wahrscheinlich ist. Das Interesse an Alzheimer ist riesig. In der Studium Generale Reihe 2006/2007 in Tübingen musste der größte verfügbare Hörsaal zur Verfügung gestellt werden, so groß war die Nachfrage. Studium Generale über die Alzheimer Krankheit in Tübingen
Alzheimer ist eine sehr demokratische Alterskrankheit. Jeder, der alt wird, bekommt die Voraussetzungen dafür, nämlich eine Veränderung des Gehirns (durch Plaque und Fibrillen). Die Veränderungen beginnen schon mit 60 Jahren, 50 Prozent Chance hat man mit 80 und mit 100 Jahren hat jeder eine Chance, sie zu haben. Ob die Krankheit allerdings in ein kritisches Stadium kommt, in der sie vor allem zur Belastung für das Umfeld der Patienten wird, ist sehr unterschiedlich. Zum Glück ist Alzheimer im klassischen Sinn nicht ansteckend.
Förderlich für Alzheimer sind u.a. Bluthochdruck und Zuckerkrankheit, aber auch häufiger Fernsehkonsum. Wie ein Mediziner es ausgedrückt hat: 6 Stunden Fernsehen täglich im Alter schaffen beste Voraussetzungen für Alzheimer. Da ich ja auch das Altenfernsehen propagiere, habe ich mich gleich gefragt, ob ich denn damit auch nicht zur generellen Demenz beitrage. Aber ich denke, dass mein Vorschlag die Fernsehzeit eher stark reduzieren würde, also habe ich kein schlechtes Gewissen.
Neben Medikamenten sind es 4 Faktoren, die zur Alzheimer-Prävention beitragen: Körperliche Bewegung (ohne Stress), geistige Regsamkeit, soziale Aktivitäten und gesunde Ernährung, alles Faktoren, die das Altern insgesamt angenehmer machen. Nach meinen eigenen Beobachtungen halte ich auch die Angst für einen wichtigen Faktor. Wenig Angst im Alter - Geringere Chance für den Ausbruch, ist meine persönliche Theorie. Jeder kann durch einen gesünderen Lebensstil und durch Vermeidung - bzw. Behandlung - von Risikofaktoren sein Gehirn vor der Alzheimer Krankheit schützen oder wenigstens den Behandlungsbeginn hinausschieben. Aber es muss schon frühzeitig passieren und es bedarf der Eigenverantwortung und der Motivation darin zu investieren.
Von den in der Psychologie bekannten Gedächtnissystemen (Prozedurales Gedächtnis, Priming, perzeptuelles Gedächtnis, Wissenssystem und Episodisches Gedächtnis) versagt bei Alzheimer zuerst das Episodische Gedächtnis. Dieses merkt sich Ereignisse, die von besonderer Bedeutung für einen Menschen sind. Langweilige Lebensabschnitte werden dann ausgeblendet. Für mich interessant war, dass der Lebensabschnitt so um 55 Jahre - statistisch gesehen - zu dem Langweiligsten in unserem Leben zu gehören scheint. Wichtig und deshalb lange im Gedächtnis bleiben dagegen die Jugend und die Zeit des jungen Erwachsenenseins. So fühlen sich die meisten Alzheimerpatienten dann auch, als wären sie etwa 25 Jahre alt. Wollen wir nun das Episodische Gedächtnis trainieren, dann müssen wir auch im Alter bedeutungsvolle Ereignisse haben und wo sie nicht vorkommen, sie inszenieren. Drei wichtige Faktoren fallen mir dazu spontan ein. Erstens die Arbeitswelt, dann die Reisen und die Feste.
Wir scheinen unserer Gesellschaft keinen großen Gefallen zu tun, wenn wir sie zu früh in den Ruhestand schicken. Denn mit der Arbeit verlieren wir nicht nur Einkommen, sondern auch Herausforderungen, soziale Kontakte, Anerkennung, Zeitgefühl, um nur einige wichtige Aspekte zu nennen. Die Arbeit hilft uns permanent unsere Fähigkeiten zu trainieren und sie so zu bewahren. Wer seine Fähigkeiten nicht nützt, der verliert sie, mit zunehmendem Alter immer schneller. "Use it - or loose it", sagen die Amerikaner treffend dazu. Wir sollten uns also darauf einstellen, länger zu arbeiten. Allerdings unter anderen Bedingungen als in jüngeren Jahren und vor allem ohne Stress. Denn wir wissen, dass die Leistungsfähigkeit mit dem Alter stets abnimmt. Die Werbung und andere Lobbygruppen reden uns zwar etwas anderes ein: Wir werden immer besser! Aber dies stimmt nur in unserer subjektiven Wahrnehmung. Die Fremdwahrnehmung ist eine andere und ich fürchte, sie hat recht. Trotzdem ist die verbleibende Leistungsfähigkeit immer noch zu hoch, um sie nur als "Ruhestand" zu genießen. Wird der Ruhestand nicht aktiv genützt, fördert er die Demenz.
Eine schöne Herausforderung sind Reisen. Ich kenne viele alte Leute und die, die reisen, sind fitter als die anderen. Nun könnte man behaupten, dass ich dabei Ursache und Wirkung verwechsle. Wer nicht mehr fit ist, kann eben auch nicht mehr reisen. Sicherlich stimmt es in manchen Fällen, aber es gibt auch viele Leute, die trotz der Schwierigkeiten, die beim Reisen auftreten und trotz körperlicher Defizite (wie Inkontinenz) sich dennoch vom Reisen nicht abhalten lassen. Reisen sind willkommene Abwechslungen aus dem Alltag und der Routine, die dafür verantwortlich sind, dass die Zeit im Alter so schnell vergeht. Sie bieten Lernmöglichkeiten, sie schaffen neue Kontakte und sie erleichtern körperlich nur schwer ertragbare Klimaabschnitte (wie das kalte Wetter im Winter) zu überbrücken. Fitness durch körperliche Bewegung reduziert die Chancen auf Alzheimer. Was gibt es Schöneres, als dies mit Reisen zu kombinieren? Wer reist, kann auch immer was erzählen! Ein zusätzliches Plus für vielfältige soziale Kontakte, die auch wichtig sind, um Demenz zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.
Mönche werden älter als andere Männer. Sowohl bei ihnen, wie auch bei Nonnen, ist Alzheimer weniger ausgeprägt, obwohl sie die gleichen Ablagerungen im Gehirn (Alzheimer Plaque) haben, wie andere Menschen auch. Warum dies so ist, weiß die Wissenschaft (noch) nicht, aber da ich selbst längere zölibatäre Phasen in meinem Leben hatte, traue ich mich darüber zu spekulieren. Vordergründig könnte man zuerst an Sexualität denken, aber ich halte dies eher für sekundär. In meinen Augen ist das Nebeneinander von körperlicher Arbeit und geistiger Beschäftigung ("Ora et labora", bete und arbeite) eine wichtige Voraussetzung für lange Fitness. Nicht nur den Benediktinern hilft diese Regel beim guten Überleben. Unabhängig von familiären Verpflichtungen sind Mönche oft besser in der Lage, ihren wissenschaftlichen Interessen nachzugehen. Sie dürfen also ein Leben lang neugierig sein und sehen Möglichkeiten durch Lesen und Forschen sich und ihren Geist rege zu halten. Bildung verzögert Alzheimer. Wer sich geistig fit hält, hat große Reserven. Gebildete können sich bis zu 5 mal mehr Plaques leisten, als weniger gebildete Menschen. Allerdings bleiben auch sie nicht dauerhaft vor Alzheimer verschont . Aber es kommen noch weitere Faktoren aus dem Mönchsleben fördernd dazu. Das Feiern von großen Festen gibt dem Jahr eine Struktur. Es gibt festgelegte Zeiten an denen sich die Menschen einschränken müssen und andere die zum fröhlichen Feiern animieren. Dies alles stärkt das Episodische Gedächtnis. Im Gegensatz dazu könnte man den festen Tagesablauf im Kloster negativ darstellen. Aber auch er strukturiert den Tag. Es gibt große Sicherheit, wenn man immer genau weiß, was zu tun ist. Sicherheit vermitteln auch die stets feste Beschäftigung (Ordensleute werden nicht arbeitslos), das Wohnrecht, die garantierte Betreuung. Und sollte die Demenz eintreten, dann ist auch der abgeschlossene Raum der Klosteranlage ein positiver Faktor. Es ist also nicht ganz unklug, wenn Altersforscher auf der Suche nach Lösungen für das potentielle Massenproblem Demenz das Leben in Klöstern studieren. Ich vermute, dass damit viele, konkrete Anregungen kommen werden.
Feste spielen auch in Altersheimen eine große Rolle. Das Personal hat erkannt, dass sie die Lebensqualität der zu Betreuenden bedeutend erhöhen. Ich habe meine an Alzheimer erkrankte Mutter oft besucht und da ich dabei immer bei ihr gewohnt habe, sehr viel direkt von ihr erfahren. War ihre ganze Familie in Festlaune, dann war sie besser drauf als sonst. Besonders wichtig war, dass sie selbst viel getrunken hatte, immer hilfreich war dabei etwas Alkohol, nicht zuviel, aber genug um sie zu weiterem Trinken (dann von Wasser) zu animieren. Es hat ihr sehr geholfen, wenn wir viel spazieren gegangen sind. Ihr Bewegungsdrang war enorm. Wir hatten einen kleinen See in der Nähe und den haben wir oft umrundet. Ein Hund hätte mich nicht mehr auf Trab bringen können. Jedes mal, wenn wir dann wieder zuhause waren, war die Welt besser als zuvor und ihr Appetit großartig. Alle Altersheime sollten deshalb einen geschützen Parcours (ähnlich einem Kreuzgang) anbieten, wo Demente sich "auslaufen" können. Oft bieten sich Rundgänge in einem der oberen Stockwerke dafür an, wo man auch eine schöne Aussicht hat. Bei einem solchen Angebot vergisst man dann leicht, dass meine im Prinzip unter Aufsicht ist.
Als sie dann (wegen zusätzlichem Parkinson) mit dem Gehen Probleme hatte, habe ich sie mit dem Auto herumgefahren, mit ähnlichen positiven Ergebnissen. Wichtig war auch der Umgangston. Wenn man freundlich mit ihr geredet hat, dann war die Welt in Ordnung. Ganz schlecht hingegen war es, mit ihr zu argumentieren. "Ja, du hast Recht" war die beste Antwort, die man ihr geben konnte, auch wenn sie natürlich sehr oft unrecht hatte und total vergessen hatte, worum es ging. Ich hatte viele Haustiere und auch bei ihnen war es so: sie habenmeine nicht Worte verstanden, wohl aber genau meinen Tonfall. Ich halte es nicht für unmoralisch, Alzheimer Patienten zu belügen, wenn es zu ihrem Vorteil ist. Die Konfrontation mit der Wahrheit macht einfach keinen Sinn mehr. Ruhe, Sicherheit und Vertrauen zu schaffen ist viel wichtiger.
Es mag abwertend klinken, aber Menschen, die das Gedächtnis verloren haben, werden zu kleinen Kindern. Man muss stets in ihrer Nähe sein, man muss sich um sie kümmern, wickeln und füttern, aber man muss sie auch beschäftigen, sie unterhalten. Selbst wenn sie die Inhalte der Worte, die man zu ihnen sagt nicht mehr verstehen, so achten sie doch auf den Tonfall und auf die Atmosphäre, die im Raum herrscht. Im Altersheim meiner Mutter hat es Katzen gegeben, die es gut gehabt haben und die gerne mit den alten, demenzkranken Menschen zusammen waren. Sie wurden viel gestreichelt, dies hat auch den Menschen gut getan. Körperkontakt, wenn er sanft ist, wirkt sehr beruhigend. Menschen, die Alzheimerkranke pflegen, müssen dafür ausgebildet sein. Intuitives Verhalten kann die ohnehin große Unsicherheit der Patienten noch vergrößern und besonders deren Aggressive Phasen verstärken. Überfordert die Pflege die Angehörigen, dann müssen sie sich um Unterstützung kümmern. Es darf nicht sein, dass sich Pflegende so überfordern, dass sie selbst daran zugrunde gehen.
Demenzkranke brauchen einen "Anwalt", der ihre Rechte schützt, gelegentlich auch ihr Vermögen, um das sie sich nicht mehr kümmern können. Ist das Verhältnis mit den Kindern gut, dann wird ein Kind diese Rolle übernehmen können, wenn es dafür vorbereitet und ausgebildet wurde. Aber die gemeinsame Vergangenheit mit den Kindern kann auch für diese Rolle hinderlich sein. Zu viele Vorerfahrungen lassen dafür trainierte, neutrale Pfleger und Pflegerinnen oder andere Beauftragte oft zur besseren Wahl werden. Wer keine Kinder hat, ist gut beraten zu "guten Zeiten" sich darum zu kümmern, wer diese lebenswichtige Funktion übernehmen könnte. Menschen, die in Mehrgenerationenhäusern wohnen, sind dann vielleicht mit einem jüngeren Nachbar oder einer Nachbarin besser beraten. Wer erfährt, dass er Alzheimer Demenz hat, der sollte sich unbedingt im Frühstadium seiner Krankheit um folgende Dokumente kümmern und sich dabei auch beraten lassen
Wenn man jetzt weiß, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit Alzheimer bekommen wird, dann erhebt sich doch die allgemeine Frage: Wie bereite ich mich darauf vor, ein guter Alzheimer-Patient zu werden? Hier wissen weniger die Wissenschaftler die Antworten, als die Menschen die entweder privat oder professionell AD Patienten im Alltag betreuen. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass sogar ein Berufsbild aus dieser Frage entstehen kann, nämlich der Alzheimer-Berater, wahrscheinlich aber wird es eine Frau sein, dann die Alzheimerberaterin. Betreuer in Seniorenresidenzen und Pflegeheimen wissen sicherlich am besten gute Antworten auf dieses Problem. Da der Demenz meist eine leichte kognitive Störung (MCI, Mild Cognitive Impairment) voraus geht, kann man aber ganz generell die Frage stellen, wie man sich auf den Alltag im Alter vorbereitet. Der Übergang von MCI zur Alzheimer Demenz (AD) ist dann fließend. Auf dieser Seniorenfreundlichseite über den Senioren Alltag wird man Nützliches erfahren, das ich dazu gesammelt habe. Aber es gibt viele weitere Felder, die zu den Antworten beitragen, z.B. die Zunft der Architekten. Da mit der Verkleinerung von Haushalten sich viele zu Umbauten entschließen, sollten diese nicht nur "behindertengerecht oder "rollstuhlgerecht" als Ziel haben, sondern vielleicht auch "alzheimergerecht"!
Ein großes Problem fast aller Demenzkranken ist das "Abhauen" aus der Betreuung. Mit unglaublicher Energie, aber auch nicht mehr möglich gehaltener Intelligenz, verlassen sie ihren sicheren Platz, finden dann aber nicht mehr zurück. Hilft in den Städten noch die Polizei die Ausreißer wieder zurück zu bringen, so können in unübersichtlichen ländlichen Gegenden diese Ausflüge zur tödlichen letzten Reise werden, besonders in der kalten Jahreszeit. Permanente Ruhigstellung ("Sedieren") oder sogar Einsperren können nicht die Antwort sein, kommen aber leider vor. Ist die Heimanlage groß genug, dann genügen wenige Pforten, um die Kranken zu schützen. Ich würde aber auch den Einsatz von technischen Geräten, wie z.B. einem Notfalltelefon, in Betracht zu ziehen (hier ein Beispiel). Eine gute Sache sind Rundgänge in Gebäuden (ähnlich einem Kreuzgang). Dann kann man bei schlechtem Wetter nicht nur auf und ab gehen, sondern seine Kreise ziehen und ist trotzdem geschützt!
Alzheimer ist in Entwicklungsländern nahezu unbekannt. Nun könnte man salopp sagen, wer nicht alt wird, der bekommt auch nicht Alzheimer, aber ganz so einfach ist es wahrscheinlich nicht. Die Struktur von Großfamilien, der Kinderreichtum, die Abwesenheit mancher Zivilisationskrankheit (wie z.B. Diabetes), lebenslange Arbeit, viele Gespräche, viele Kontakte, viele Feste, traditionelle Rollenbilder der Geschlechter, wenig Passivität durch Fernsehen, auch sie alle könnten ebenfalls einen positiven Einfluss gehabt haben, auch wenn die kürzere Lebenserwartung sicherlich der Hauptfaktor sein wird. Aber es kommt dabei doch die Frage auf, ob es sinnvoll ist, immer länger zu leben, wenn das Leben nur noch aus Dahinvegetieren in der Demenz besteht. Ich traue mir, ehrlich gesagt, darauf keine für alle schlüssige Antwort zu geben, aber am Krankenbett meiner Mutter habe ich mir diese Frage oft gestellt. Das Leiden wird mit Alzheimer nicht verlängert, zumindest nicht für die Patienten, höchstens für die Angehörigen, soviel ist klar. Also fehlt ein wichtiges Argument, das sonst bei der Sterbehilfediskussion herangezogen wird. Wären wir vielleicht als menschliche Gesellschaft besser beraten, mehr für Lebensinhalte als für Lebensdauer zu sorgen, auch wenn dabei das Risiko einen früheren Todes gegeben ist ? Was zählt mehr, Qualität oder Quantität? Was ist seniorenfreundlicher? Wäre vielleicht "More risk, more fun", auch in Bezug auf die Gesundheit, ein besseres, neues Lebensmotto? Extremsportarten auch für Senioren? Keine Antiraucherkampagnen mehr, nur noch guter Nichtraucherschutz für die Nichtraucher? Doping freigeben? Keine Grippeimpfungen mehr? Nun ja, wenn's konkret wird, wollen alle lange leben, das habe ich fast ohne Ausnahme bei Sterbenden erlebt. Also ist dies nicht wirklich eine Option! Die Politik kann, im Gegensatz zum Einzelnen, nicht anders entscheiden, als für ein möglichst langes Leben. Lieber den Preis für Alzheimer zahlen und lange leben und leben lassen. Noch sind wir für andere Ansätze nicht bereit, denke ich. Sie sind alle - nach unserem Verständnis - unmenschlich, auch wenn sie vielleicht billiger wären.
Die große Häufigkeit der Alzheimer Krankheit lässt das Altern generell in einem anderen Licht erscheinen. Herrschende Lehrmeinung ist, dass "Altern keine Krankheit" ist. Wenn nun aber die Anlagen zur Demenz so generell sind und die Visionen von revolutionären Heilungserfolgen greifbar nahe sind, dann wird dies großen Einfluss auf die Beurteilung des Alterns haben. Die Diagnostizierung von Alzheimer kann heute auch bei noch lebenden Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit geschehen. Besonders die bildgebenden Verfahren (Computertomographie, PET) bringen größere Sicherheit schon vor dem Ableben, eindeutig allerdings ist Alzheimer nur durch Obduktion hundertprozentig belegbar. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Alzheimer nicht die allgemeine Form des Alterns ist!
Es wird in Vorträgen über Alzheimer oft darauf hingewiesen, dass bald Heilung möglich sein wird. Es ist von Impfungen die Rede, oder von neuen Medikamenten, die in der Pipeline sind. Dies alles mögen zwar Zukunftsvisionen sein, Realität 2006 ist, dass Alzheimer nicht heilbar, aber behandelbar ist, besonders wenn er im Frühstadium erkannt wird und dann etwas hinausgezögert werden kann. Die Hinauszögerung dauert aber nicht lange, eher Monate als Jahre. Ein Vorteil dieser Behandlung ist aber, dass nach einem Absetzen der Medikamente in der Schlussphase der Krankheit diese verkürzt werden kann. Für die wissenschaftliche Welt sind Visionen notwendig, denn sonst fließt kein Geld in die Forschung und nach 100 Jahren Kenntnis der Alzheimer Krankheit sind weitere Fortschritte beim Behandeln dringend wünschenswert. Aber es zeigt sich doch oft, dass dann alles viel länger als erwartet dauert und die Kosten höher sind als geschätzt. Wer in der Politik realistisch vorgehen muss, sollte also auf Heilung nicht zu sehr bauen. Es ist besser für uns, wenn wir uns der gesellschaftlichen Herausforderung Alzheimer stellen. Die Politik scheint dies zu tun und ich sehe mit Freuden, dass pflegende Angehörige unbezahlten Urlaub für die Pflege nehmen werden können. Dies scheint mir seniorenfreundlich zu sein, auch wenn es Betriebe belasten wird.
Alzheimer Linkswww.deutsche-alzheimer.de
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Praktische Tipps zur Ernährung bei Demenz www.nia.nih.gov/HealthInformation/Publications/forgetfulness.htm nihseniorhealth.gov/alzheimersdisease/faq/faqlist.html
Der Folstein Fragebogen hilft bei der Einschätzung, ob bei einem Menschen Verdacht auf Demenz besteht. Ich gebe ihn hier an, damit man sich orientieren kann, worum es geht. Die seriöse Auswertung kann aber nur von dafür ausgebildeten Fachleuten vorgenommen werden. Die Richtwerte für die Ergebnisse: 24 -30 normal, weniger als 24 leichtgradige Demenz, weniger als 17 Punkte Demenz.
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© 2009 Otto Buchegger Tübingen
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