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Mit zunehmendem Alter brauchen viele Menschen Hilfe und Unterstützung. Das reicht von einer Gesellschafterin, die die Langeweile vertreibt bis zur Vollzeitpflege rund um die Uhr. Es finden sich viele verschiedene Berufe in diesem Aufgabenfeld und darum habe ich auch den neutralen Begriff Assistenz für sie alle gemeinsam gewählt.

Blumen aus meinem Garten

Kurz gesagt wird die Assistenz jene Aufgaben leisten, zu denen Frauen und Männer im fortschreitenden Alter nicht mehr selbst in der Lage sind. Anfangs ist die Assistenz nur der verlängerte oder kräftigere Arm unter Anleitung des noch selbstbestimmten Seniors oder der noch selbstentscheidenden Seniorin.

Aber im Laufe der Zeit kann dies wesentlich mehr werden, die Assistenz wird zum Anwalt, der die Interessen vertritt und ganz zum Schluss wird die Assistenz zur Sterbebegleitung, die vielleicht sogar die Formalitäten des Begräbnisses oder Nachlasses regelt.

Die Gesellschaft hatte für alle diese Problemsituation schon immer Lösungen zu Hand, vom Arzt, der die Schmerzen lindert, dem Pfarrer, der den Menschen die Angst vor dem Tode nimmt, bis zum Bestattungsunternehmen. Bindeglied für alle waren die Familienangehörigen, oder vielleicht auch gute Freunde, Nachbarn oder andere Bekannte, kurz gesagt Vertraute.

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Mit dem Wandel in der Gesellschaft funktioniert dies oft nicht mehr so wie früher. Nicht nur dass die Menschen sehr viel älter werden und die Familien oft weit entfernt und zerstreut leben. Es gibt viel mehr Singles und das Umfeld ändert sich viel schneller und die Gefahr, dass damit alte Menschen nicht mehr zurecht kommen, steigt enorm. Damit steigt auch der Bedarf nach Assistenz.

In Deutschland existieren schon seit einiger Zeit verschiedene Ausbildungswege für die Assistenz, die sich hierzulande klar von der Altenpflege abgrenzt. Zwei der bekanntesten sind die professionelle Betreuungskraft nach § 87b SGB XI (meist als

Betreuungsassistent(in)
bezeichnet, gedacht vor allem für den Einsatz in Altersheimen oder Seniorenresidenzen) und die
Senioren Assistenz nach dem Plöner Modell,
deren Zielgruppe eher die Privathaushalte sind. Hier nochmals explizit die beiden Links dazu (mit den Schwerpunkten in Klammer):
www.Senioren-Assistentin.de (Ausbildungsportal)
www.die-Senioren-Assistenten.de (Vermittlungsportal).

Ohne auf die verschiedenen Berufszweige und Ausbildungen im Detail einzugehen, gibt es doch gemeinsame Aspekte, die ich hier beleuchten will. Angeregt dazu bin ich von einer sehr einfachen Internetseite aus den USA, die viele wichtige Aspekte streift, aber auch von den Erfahrungen der Menschen in meinem Umfeld, die heute schon solche Assistenzleistungen erbringen.

Wer immer den alten Menschen assistieren will, sollte folgende Voraussetzungen mitbingen:

Da diese Menschen oft auch als Sprachrohr oder sogar Anwälte für ihre Schützlinge in der Öffentlichkeit auftreten und das in einer zusätzlich manchmal schnell wechselnden Umgebung, wie z.B. in einem Krankenhaus, ist es hilfreich, wenn sie leicht Kontakte schließen und den Respekt von Fremden gewinnen können.

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Wie man aus dem Anforderungsprofil sieht, wird es unmöglich sein, einen einzelnen Menschen mit dieser schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe zu betreuen. Selbst die sprichwörtliche "aufopfernde Tochter" ist damit überfordert.

Es wird also ein kleines Team notwendig sein, um spezielle Leistungen zu erbringen oder auch um sich einfach mal ausruhen zu können. Auch wenn einer, z.B. ein erwachsenes Kind, die Hauptentscheidungen treffen wird, so können sich mehrere Menschen doch leichter unterstützen und auch beraten. Zu viele sollten es allerdings nicht sein, denn dann fühlt sich erfahrungsgemäß niemand mehr zuständig.

Ein wichtiger Aspekt ist die Altersstruktur. Soll es nicht zu viele Wechsel und damit Unsicherheiten geben, dann muss die Assistenz wesentlich jünger als die Betreuten sein. Das beginnt schon beim Hausarzt, der möglichst lange der oder die Gleiche sein soll. Wenn also im Alter ein Arztwechsel notwendig ist, und das ist fast immer der Fall, wenn jemand sehr alt wird, dann besser die jüngste Alternative wählen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Professionalität der Assistenz. Dies spricht dafür, dass man nicht Verwandte, sondern durchaus Fremde mit entsprechender Ausbildung dafür einsetzt. Gerade nahe Familienangehörige sind oft mehr Problem als Hilfe. Da werden im Alter manchmal Rechnungen aus früheren Lebensabschnitten beglichen und diese Form der Rache schadet sehr.

Blumen aus meinem Garten

Zum Schluss will ich noch einen Aspekt offen aussprechen, der gerade in Deutschland verdrängt wird, nämlich die Bezahlung der Assistenz. Der deutsche Wunsch möglichst viel zu vererben - übrigens nicht nur von den Erben, sondern auch von den Erblassern - steht einer adäquaten Bezahlung oft im Wege.

Am fairsten wird die Bezahlung, wenn sie nicht pauschaliert wird, sondern einzelne Leistungen - z.B. monatlich - transparent abgerechnet werden. Bei bezahlten Leistungen wird es auch leichter, für guten Ersatz zu sorgen, sollte jemand ausfallen oder eine Urlaubspause machen wollen.

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Eine wesentliche Rolle, ob Assistenz erfolgreich funktioniert, spielen die Hilfesuchenden selbst. Werden sie herrisch, misstrauisch, geizig, maßlos in ihren Ansprüchen oder sonst in irgend einer Form unangenehm, dann wird es leicht passieren, dass selbst gut bezahltes und gut ausgebildetes Personal nicht erfolgreich mit ihnen arbeiten wird.

Besonders kritisch wird es, wenn (unbezahlte) Ehrenamtliche sie unterstützen. Dies erfolgt meist in Form eines Deals, von dem beide was haben, z.B. der eine Hilfe, der andere die Genugtuung, geholfen zu haben. Manchen Menschen fällt es sehr schwer, danke zu sagen oder sich großzügig zu zeigen. Sie werden sich damit selbst isolieren.

Ein weiteres Problem sind (meist weit entfernte) Angehörige, z.B. Kinder im Ausland, auf die die Senioren hören. Sie mischen sich gerne ein, ohne die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort zu kennen. Mit ihren - sicherlich gut gemeinten, aber manchmal total unpassenden - Vorschlägen, können sie eine weitere, unnötige Barriere zwischen den Betreuern und Betreuten aufbauen. Auch dies führt dazu, dass das nötige Vertrauensverhältnis gestört wird und die Zusammenarbeit nicht optimal funktioniert.

Ich habe selbst in mehreren Fällen Assistenz geleistet. Wie bei anderen Kooperationen auch, funktioniert sie nur dann gut, wenn die - meist informell geschlossenen - Deals für beide Partner ausgewogen sind. Mein "Lohn" für geleistete Hilfe war eine Teilhabe an dem reichen Erfahrungsschatz alter Menschen. Aber für andere wird dies nicht ausreichend sein. Also wird man sich immer wieder überlegen müssen, wie die passende Balance zwischen Geben und Nehmen aussehen muss. Die dauerhafte Lösung werden anerkannte Assistenz-Berufe sein. Nach einer sicherlich nötigen Ausbildung, werden diese Fachkräfte dann in diesem Beruf auch entsprechend bezahlt.

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Eine Verlagerung des Problems ins Ausland, mit dort viel billigeren Arbeitskräften und viel besserem Klima als in Deutschland, ist für viele keine gute Lösung. Das Problem ist nicht nur die Sprache, es ist das ganze fremde Umfeld, an das sich Menschen im Alter kaum noch anpassen können. Einige werden damit glücklich werden, aber generell müssen wir in Deutschland Antworten, eventuell mit personeller Unterstützung aus dem Ausland, finden.

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Es wird auch immer wieder die Frage aufgeworfen, wie technische Unterstützung, in Form von Senioren-Assistenzsystemen, hier helfen kann. Man wird es ausprobieren müssen, ob und wo Technik Menschen unterstützen oder sogar Assistenzpersonal ersetzen kann, ist meine pragmatische Antwort. Immerhin ist mit der Initiative „Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben – AAL“ schon ein Anfang gemacht worden.

Vor allem wenn Menschen in ihrer vertrauten Umgebung leben wollen, kann ich mir gut vorstellen, dass es technische Lösungen gibt, die sie dabei unterstützen können. Die Anforderungen dazu müssen aber von den betroffenen Menschen kommen und nicht von einer Industrie, die Geld bei den Alten wittert und ihren Kuchenanteil abbekommen will.

Der Versandhandel im Internet ist z.B. sehr hilfreich, ebenso die Möglichkeiten um über Videotelefonie (z.b. Google Hangouts) in Kontakt zu bleiben. Auch ein anspruchsvolles Abendunterhaltungsprogramm wäre leicht zu bewerkstelligen.

Die Computer werden tatsächlich immer einfacher und ihr Einsatz wird auch für Alte durchaus interessant. Die Deutschen müssten aber mehr experimentieren und endlich ihre notorische Technikangst und den digitalen Verfolgungswahn überwinden. Aber solange diese von Medien und Politikern weiterhin geschürt werden, sehe ich wenig echte Fortschritte auf diesem Gebiet.

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