seniorenfreundlich.de - Senioren besser verstehen

Ich bin kein Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geragogik, sondern nur ein alter Mann, der beobachtet, wie seine Altersgenossen lernen und leben. Zur Definition zitiere ich aus Wikipedia  "Geragogik, Gerontagogik oder auch Alterspädagogik ist ein Teilgebiet der Gerontologie, das sich mit den Methoden und Inhalten des Lernens bei älteren Menschen und sozial- gesellschaftlichen Problemen von alten Menschen beschäftigt. Innerhalb der Sozialwissenschaften wird die Geragogik dem Bereich Soziale Arbeit zugeordnet."

Angeregt zu dieser kurzen Übersicht aus der Praxis wurde ich durch das Studium einer meiner Töchter. Bei ihrer Sponsion zur Magistra Soziale Arbeit habe ich sie ermuntert, sich doch mehr mit den Problemen alter Menschen zu beschäftigen. In der Diskussion danach wurde schnell klar, dass es wenig Material dazu gibt. Aber auf meiner Präsenz sind zahlreiche Anregungen und Hinweise verstreut, die genau ins Schema der Geragogik passen. Ich verwende übrigens von den drei gleichwertigen Begriffen Geragogik, Gerontagogik oder Alterspädagogik den kürzesten. Auch die beiden anderen sind noch nicht wirklich im Bewusstsein der Gesellschaft etabliert, so dass es egal ist, welchen ich promote. Und Kürze gewinnt meist!

Zielgruppe dieses Textes sind Alte und die Menschen, die alte Menschen betreuen. Die Altersspanne reicht von ganz jungen (z.B. den Enkelkindern) bis zu Seniorinnen und Senioren, die anderen Senioren helfen. Die Unterschiede zur Pädagogik (die sich mit dem Lernen und Heranwachsen von Kindern beschäftigt) sind zum Teil enorm. Ich sehe dies vor allem an den Fehlern, die erfahrene Pädagogen im Umgang mit Alten machen. Leider kann ich darauf nicht zu detailliert eingehen, aber ich vermute, dass die Forschung dazu mehr Ergebnisse liefern kann und auch wird. Auch die Wissenschaft muss erst den demografischen Wandel entdecken!

Junge Menschen muss man bei ihrer Entwicklung unterstützen. Das gilt natürlich auch für Alte, die sich ja ebenfalls noch weiterentwickeln. Aber gleichzeitig muss man bei ihnen den Abbau ihrer Möglichkeiten berücksichtigen. Es wird also immer eine Balance notwendig sein. Diese auszuloten ist für Menschen ohne Wissen über die Veränderungen im Alter kaum möglich.

Faszinierend ist für mich das Tempo der Veränderung, sowohl bei Kindern wie bei Alten. Wenige Wochen können einen großen Unterschied machen und ein Jahr ist ein signifikanter Zeitraum, auch wenn er bei den Alten subjektiv viel schneller vergeht, als bei den Kindern.

Die Entwicklung von Kindern geht meist in Schüben, bei Alten sind es leider oft dramatische Ereignisse, wie eine Operation, ein Sturz oder ein Schlaganfall, die das Leben stark verändern. Die kindliche Entwicklung ist relativ leicht vorhersagbar, die alter Menschen eher nicht, außer dass ihnen der Tod irgendwann sicher ist. Jeder alte Mensch altert anders, abhängig von seiner Veranlagung, seiner Vergangenheit und seinen aktuellen Lebensumständen.

Foto von Otto Buchegger

Wäre ich ein Arzt, ich würde eine Tabelle mit dem Abbau der Fähigkeiten machen, zusammen mit den Folgen für die Gesellschaft. Zum Beispiel wird jemand schwerhörig, das bedeutet dann, dass man Hörgeräte und Mikrofone einsetzen muss. Leider habe ich ähnliches noch nicht gesehen, aber es ist sicherlich in Lehrbüchern der Geriatrie versteckt, zu denen ich aber keinen Zugang habe.

Statistische Daten sind im Umgang mit einem Individuum ohnehin nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger ist, dass man mit den speziellen Problemen, die jemand hat, zurecht kommt. Alte Menschen sind meist Experten für ihre Defizite, Leiden und Krankheiten und können, wenn man ihnen eine Chance dazu gibt, sehr wohl erklären, wie man mit ihnen umgehen muss und was zu beachten ist. Wer lange genug mit ihnen Kontakt hat und sich vielleicht mit Hilfe der Informationen im Internet weiterbildet, wird schnell erfahren, worauf es ankommt. Es gilt für sie, was auch für andere Erwachsenenbildung gilt: die Gruppe der "Schüler" weiß zusammen immer mehr als der "Lehrer"!

Meine Beobachtungen stammen aus dem Alltag der Menschen und von den Seniorengruppen, in denen ich mich bewege. Wie vieles auf der Präsenz www.seniorenfreundlich.de sind sie weder wissenschaftlich untermauert und sie sind deshalb auch nicht immer verallgemeinbar, aber dafür sind sie real und spezifisch. Als Anregung oder Tipps für den Umgang mit Senioren eignen sie sich allemal, wie ich auch aus den E-Mails, die mich erreichen, erfahren kann.


Motivation

Kinder lernen mit dem Leben zurecht zu kommen und auch Freude am Leben zu entwickeln. Sie sind mit ihren genetischen Programmen dafür gut ausgerüstet und bekommen durch Familie und Lehrer eine lange Begleitung. Bei den vielen Schwierigkeiten, die auf diesem langen Weg auftreten können, brauchen sie immer wieder jemanden, der ihnen einen Sinn vermittelt, das heißt sie motiviert.

Alte Menschen wissen im Prinzip schon alles, was sie für ihr Leben brauchen. Eine richtige Notwendigkeit noch was Neues zu lernen, fehlt ihnen meist. Nur bei größeren Veränderungen, wie nach Operationen (zum Beispiel wenn man ein neues Hüftgelenk bekommt) ist auch bei ihnen wieder eine intensive Lernphase notwendig.

Betrachtet man aber die Altersphase genauer, dann stellt man fest, dass sie für manche viel länger als ihre Jugend ist! Sich in dieser langen Zeit nicht mehr weiter zu entwickeln, wäre katastrophal! Wie aber kann man nun passive Alte zu aktiven Lernern, Entdeckern, Forschern etc. machen?

Wenn die offensichtliche Notwendigkeit fehlt, müssen andere Faktoren einspringen. Die wichtigsten für mich sind Freude, Spass, Anerkennung in der Gruppe, aber durchaus auch ein besseres Leben, mehr Geld (das bei vielen Alten manchmal knapp ist), nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Lebenspartner, Kinder oder Enkelkinder. Alte, die in einer Familie oder Gruppe eingebunden sind, werden also genügend Anregungen für ihre Weiterentwicklung bekommen.

Schwieriger wird es für Singles, die ab einem gewissen Lebensabschnitt dominieren werden. Meiner Meinung ist es für sie am wichtigsten, sie wieder in eine passende Gruppe zu integrieren. Erst wenn dies gelungen ist, wird man sie wieder motivieren können. Lediglich Menschen, die erfolgreich in einem langen Leben oft alleine gearbeitet haben (wie z.B. Akademiker), werden es auch ohne fremde Hilfe und ohne Partner schaffen, ihre Neugierde und ihren Wissensdurst zu stillen.

Alte, alleinstehende Menschen werden eigentlich oft genug aufgefordert, sich einer Gruppe anzuschließen. Es gibt dafür sowohl kommerzielle, wie auch ideologische und andere Angebote. Aber sie kommen nicht. Die Hürden in eine neue Umgebung zu kommen, sind viel größer, als man sich dies vorstellen kann. Meiner Meinung gibt es nur einen zuverlässigen Weg dazu: sie von zu Hause abzuholen, mit in die Gruppe (Verein, Club, Salon etc.), zu bringen und sie dort auch einzuführen. In amerikanischen Kirchen kennt man dafür eine eigene Position, den Usher, wörtlich übersetzt einen Platzanweiser, einen erfahrenen Menschenkenner, der Neue anspricht und sie zu einem passenden Platz führt. Jede unserer Gruppen, die Singles integrieren will, braucht so einen "Platzanweiser", der auch die Spielregeln erklären kann und für eine positive Aufnahme sorgt.

Auch wenn ein Gebäude barrierefrei gebaut wurde, es sind viele andere Barrieren zu überwinden, soll es wirklich angenommen werden. Mit einem vertrauten Führer an der Seite wird es leichter. Wer sich mit Vorschriften für Barrierefreiheit beschäftigt, wird lesen können, dass sie schon auf der Straße und nicht erst in der Wohnung beginnt. Wer also Alte motivieren will, muss tatsächlich den Weg mit ihnen schon von ihrer Wohnung aus gehen. Welche Wege sind sicher und hell genug, welches Verkehrsmittel ist das passende, wo gibt es Parkplätze, wo ist unterwegs eine Toilette etc. Geht dies nicht, dann trifft man sich auf jeden Fall außerhalb oder am Eingang des Gebäudes (des Vereins etc.). In der Pädagogik heißt es, man muss die Schüler dort abholen, wo sie sind, will man sie nicht verlieren. Das gilt im übertragenen Sinn auch für die Geragogik.

Unsere Seniorenmedien, Tageszeitung, Radio oder Fernsehen schaffen es schlecht, Senioren zu aktivieren! Auch Familienmitglieder haben damit Probleme. Schon eher haben Nachbarn oder Bekannte eine Chance, aber am besten können es Freundinnen oder Freunde! Und so sehe ich es auch als einen noblen Freundschaftsdienst an, seine Freunde zu Aktivität zu motivieren.

Die Tageszeit spielt eine große Rolle. Alle erfolgreichen Seniorentreffs, die ich kenne, sind entweder am Morgen (von 9.30h bis 12h) oder am späten Nachmittag (16 - 19h) aktiv. Termine nach 20h sind zumindest im Winter problematisch. Wird es finster, bleiben alte Menschen dann gerne im sicheren Haus oder in der Wohnung. Bei schlechtem Licht ist auch das Autofahren schwierig und wird deshalb gemieden.

Welche Wochentage sich besonders gut für Aktivitäten eignen, wird vor allem durch persönliche Verpflichtungen definiert. Man sollte aber dabei den Sonntag nicht ausschließen. Nicht alle Alten sind bigott oder gehen in die Kirche und sie sind dann froh, wenn sie Gesellschaft haben, vor allem weil an diesem Tag eine andere Attraktion, nämlich das Einkaufen bei uns erschwert wird. Ähnliches gilt auch für die Jahreszeiten. Selbstverständlich laden warme Sommertage eher zu Aktivitäten ein, aber bei unserer guten Infrastruktur sind auch Wintertage kein Problem. Also liebe Anbieter von Seniorenattraktionen, vergesst den Sonntag nicht und denkt an ein ganzjähriges Angebot, vor allem tagsüber! Schulferien, Feiertage etc. haben für Alte kaum noch Relevanz!

Lernen

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! In vieler Hinsicht hat das Sprichwort sicher recht. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind alle Bereiche, die ein umfangreiches Auswendiglernen und Üben erfordern, nur noch mit großen Schwierigkeiten zu meistern. Meist sind diese so groß, dass die Alten die Freude daran verlieren und aufgeben. Dazu gehören neue Sprachen zu lernen oder auch neue Musikinstrumente. Wer hier nicht auf frühere Erfahrungen zurückgreifen kann, wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern.

Schwachstellen im Altern sind die Fähigkeit zur Erinnerung, das Gedächtnis, sowie das Nachlassen der Sinne. Andere Bereiche hingegen gewinnen dazu, wie Erfahrung, Wahrnehmung der Hintergründe, Bewertung oder Erkennen von Regelmäßigkeiten.

Lernen bedeutet immer auch Veränderung. Nur wo die Freiheit herrscht, dass Alte sich auch verändern können, wird des Feld fürs Lernen geebnet. Oft sind die Restriktionen gar nicht von außen vorgegeben, sondern man legt sie sich selbst auf, z.B. mit "das tut man nicht" oder "das passt nicht mehr für  mich".

Es wäre sicherlich eine interessante Übung alle Lernformen der Pädagogik darauf zu untersuchen, wie erfolgreich sie auch für die Geragogik sind. Ich kann das leider nicht machen, aber ich zeige an einigen Beispielen, was ich für typisch halte.

Lernen durch Nachmachen funktioniert immer, für Junge wie für Alte. Lernen durch Versuch und Irrtum ("trial and error") versagt meist für Alte. Sie merken sich die Sackgassen dabei nicht und machen die gleichen Fehler zu oft wieder. Abhilfe schaffen hier theoretisch "Bedienungsanleitungen", in denen genau beschreiben wird, was zu beachten ist. Leider lesen auch Alte diese nicht (genauso wie die Jungen), so dass nur Einfachheit oder Automatik die Antwort sein wird. Nur was einfach zu lernen ist, wird dann auch bedient werden können. Bei den technischen Geräten schreibe ich dazu: "Ease of Learning" ist wichtiger als "Ease of Use".

Alte Menschen haben in einem langen Leben auch gelernt, dass Fehler Folgen haben und dass man besser lebt, wenn man sie vermeidet. Es bedarf schon eines großen Aufwands, will man nun wieder angstfreie Freiräume zum Lernen schaffen! Man darf nicht vergessen, dass die mehr werdenden körperlichen Defizite auch nicht gerade zum Selbstbewusstsein beitragen, sondern sie erhöhen alle die Angst vor dem Versagen. Ich bin immer wieder überrascht, wie oft die Begriff Angst, Scham, Versagen in Gesprächen mit Alten vorkommen, wenn sie Lernleistungen vollbringen müssen. Dies ist einer der Gründe, warum man durchaus Alte unter sich lernen lassen sollte. Die Konkurrenz mit Jungen ist schlicht unfair.

Eine optimale altengemäße Lernform ist das Lehren. Da Alte viel Wissen angehäuft haben, fällt es ihnen oft leicht, dieses auch wieder zu vermitteln. Dabei lernen sie, in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt, wie auch mit den Zuhörern, unendlich viel. Ich bin sogar überzeugt, dass es für die gesamte Menschheit von großer Bedeutung ist, besser als heute (in unseren westlichen Kulturen) das Wissen unserer Alten zu speichern und anzuwenden.

Die Erfahrung spielt eine große Rolle beim Lernen und Weiterentwickeln. Sie kann sowohl förderlich sein, ist aber in manchen schwerwiegenden Bereichen auch hinderlich. Manche Fehler der Vergangenheit haben sich so stark eingeprägt, dass sie kein neues Risiko mehr zulassen und deshalb Chancen nicht mehr ergriffen werden. Umgekehrt sind auch Erfolge der Vergangenheit so prägend, dass sie immer wieder zwanghaft wiederholt werden, was aber oft daran scheitert, dass sich die Randbedingungen verändert haben und der Misserfolg deshalb vorprogrammiert ist.

Ideal wäre es, wenn alte Menschen ihre Erfahrung so abstrahieren könnten, dass sie sie, in Abhängigkeit von den Bedingungen, immer optimal einsetzen könnten. Leider reicht dazu auch ein Menschenleben nicht aus. Aber eine Gruppe gut kommunizierender alter Experten müsste dazu durchaus in der Lage sein.

An anderer Stelle habe ich zum Bereich Seniorenuniversität genügend geschreiben, was hier eingefügt werden könnte. Auch das Reisen ist eine wichtige Lernerfahrung für Alte. Wer weitere Lerninhalte sucht, die Programme von Mehrgenerationenhäusern, von Volkshochschulen und anderen Seniorentreffpunkten (z.B. auch Seniorenmessen) bieten genügend Hinweise (hier ein Beispiel).

Nun aber wieder zurück zum Lernen im Alltag alter Menschen. Bei den Alltag- Tipps kann man viel dazu nachlesen. Hier nur die Zusammenfassung: Üben, üben, üben (oder wiederholen, wiederholen, wiederholen) ist das Geheimnis, wie es (fast) immer funktioniert. Übung macht den Meister (repetitio est mater studiorum). Und ich möchte ergänzen, Üben in überschaubaren Abschnitten, wenn man fit ist, mit Spass und Freude, ohne Stress, ohne Angst und ohne Gesichtsverlust.

Beim Erlernen neuer Tanzschritte ist mir oft aufgefallen, dass es einen großen Unterschied ausmacht, ob man sich die Tanzfolge nur vorstellt oder echt tanzt. Die Gleichzeitigkeit von Vorstellung und Bewegung ist viel effektiver als die Vorstellung allein. Unterstützend dabei ist natürlich auch die Musik. Es scheint so zu sein, dass das gleichzeitige Lernen auf mehreren Ebenen am effektivsten ist. Und je öfter man die Schritte (zur immer gleichen Musik) übt, desto sicherer werden sie, bis sie schließlich so automatisch ablaufen, dass man sich dazu überhaupt nicht mehr konzentrieren muss, sondern sich dabei sogar unterhalten kann. Ab dieser Lernreife kann man dann erst alle Facetten wirklich genießen.

Noch einen kleinen Einschub will ich hier anbringen. Beim Schreiben meiner Memoiren habe ich zuerst versucht, mich an Hand von Dokumenten (wie Fotos) in die Vergangenheit zurück zu versetzen. Das war zwar nicht schlecht, aber wesentlich effektiver war das zusätzliche Abspielen der Musik, die ich zu den jeweiligen Zeiten gehört habe. Auch hier wurden auf mehreren Ebenen meine Emotionen geweckt. Ob das nur für mich - als ausgewiesenen Musiknarren - gilt, kann ich schlecht sagen, ich vermute aber, es gilt generell!

Disziplin

Aus der Sicht der Jugend scheint es so zu sein, dass Disziplin für Alte gar kein Thema ist. Sind sie doch in ihren Augen die Verkörperung der Disziplin, das heißt sie machen das Gleiche immer auch die gleiche Weise und mit hoher Beständigkeit.

In der Realität aber ist dies nicht so. Auch Alte können sich "gehen lassen", haben nicht immer Lust zu ihren Pflichten, sind nicht immer gleich gut drauf und brauchen oft viel Überwindung, um etwas zu beginnen.

Hilfreich ist dann der Druck der Peergroup, wie ich das nenne. Gehen z.B. drei Freunde gemeinsam zur Seniorengymnastik, dann steigen damit die Chancen sehr, dass sie regelmäßig gehen werden. Es sind mehrere Aspekte dabei wirksam. So macht es Spass, sich mit den Freunden zu treffen und zu unterhalten und das wiegt vielleicht die Qual etwas auf, die man mit manchen Übungen hat. Zweitens fühlt man sich eher verpflichtet hinzugehen, auch wenn man kein Lust hat. Man weiß ja aus Erfahrung, dass die Gymnastik wirklich sinnvoll ist und man sich nachher sehr viel besser als vorher fühlt. Die Peergroup hilft also, den "Schweinehund" zu besiegen. Fahrgemeinschaften mit der Gruppe erleichtern auch das Hin- und Zurückfahren. Es fällt nämlich sehr viel schwerer "Nein" zu sagen, wenn der Freund mit dem Auto vor dem Hause wartet. Und muss man doch einmal wegbleiben, kann ein anderer Freund, der nicht verhindert war, die Neuigkeiten weitergeben.

Weil diese Kontakte innerhalb einer Aktiv- oder Lerngruppe so wichtig sind, ist es vor allem für Singles unheimlich wichtig, dass die Gruppe alles tut, sie zu erleichtern. Das "Senioren-Du", Weglassen von Standesbezeichnungen und Titeln, der Austausch von Adressen, Tragen von Namensschildern, häufiges Nennen von Namen, Ankündigung von speziellen Aktivitäten, an die sich jeder anschließen kann, sie alle helfen, dass sich eine Gruppe bildet,  in der die Menschen freier kommunizieren können. Wenn dies erreicht wird, dann ist Disziplin wirklich gegeben, aber weniger aus Einsicht, sondern aus dem Drang, gemeinsam mitmachen zu wollen.

Ich habe auf diesem Gebiet viel in den USA gelernt, wo alle diese Dinge fast selbstverständlich sind. Leider ist die deutsche Seele nicht so offen und übertriebener Datenschutz verhindert z.B., dass sogar Gruppenmitglieder, die schon lange etwas gemeinsam machen, sich alle untereinander kennen. Eine einfache Möglichkeit sich hier näher zu kommen sind einfache Namensschilder, die man im Handumdrehen mit Kreppklebeband und einem Filzschreiber produzieren kann. Wer den Erfahrungsaustausch unter Seniorinnen und Senioren fördern will, muss also bei einem ausführlichen Mitgliederverzeichnis, sogar mit Fotos der Mitglieder, beginnen! Hier ist speziell In Deutschland noch ein langer Weg zu gehen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß!

Extrem störend für die Disziplin beim gemeinsamen Lernen ist auch im Alter das Mobbing. Leider ist es in manchen Kreisen kaum auszurotten und es führt dann zur Isolation.

Belohnung

Junge Menschen bekommen Zeugnisse und Diplome, für gute Erfolge im Beruf wird man befördert, wo aber bleibt die Belohnung für Alte, wenn sie etwas mit viel Mühe und großen Schwierigkeiten erreicht haben?

Ihnen etwas zu schenken ist schwierig, sie haben schon alles, was sie brauchen und zusätzliches wird eher zur Belastung. Auszeichnungen haben sie meist schon genug und auch Geld spielt zum Glück nicht mehr die Rolle wie früher. Man könnte nun ganz spartanisch behaupten, das Erreichen alleine sei genug gewesen. Aber auch damit können viele nicht zufrieden sein.

Ich glaube eine kleine Ehrung kann jeder vertragen. Sei es nun zu einem Jubiläum oder zu einem anderen markanten Ereignis. Ein gutes Essen, ein gutes Glas Wein (für die, die es noch vertragen), eine kurze Laudatio und eine kurze Gelegenheit des Belobten darauf zu antworten, sie haben noch nie geschadet. Ich schenke dazu meist auch ein kleines Fotobuch, wenn es genügend Fotos gibt.

Hat man etwas alleine erreicht und lebt man alleine, dann kann man auch ein kleines Fest geben. Drei, vier Leute, die vielleicht auch mitgeholfen haben ins Restaurant oder nach Zuhause einzuladen, dazu ein kurzes Resumee, was einem alles beim Erreichen passiert ist, das ist fast immer anbracht und bildet einen definierten Abschluss.

Ich belohne mich auch gerne selbst, in dem ich mir etwas kaufe oder mache, was ich dann mit dem Erreichten assoziiere. So habe ich mir zum 65. Geburtstag einige meiner Internetpräsentationen ausdrucken lassen und mir so eine große Freude gemacht.

Auch wenn der berufliche Erfolg keine Rolle mehr spielt, so ist doch auch Lob im Alter etwas, was wir unbedingt brauchen. Es muss nicht gleich der große Ruhm sein, auch die kleine Anerkennung fördert unsere Weiterentwicklung im Alter! Und sie zeigt auch, dass wir respektiert werden! Respekt fürs Alter ist in unserer Gesellschaft immer noch Mangelware!

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Geragogik ist ein schnell wachsendes Wissensgebiet und ich empfehle weiterführende Literatur dazu, wie sie z.B. bei Amazon zu finden ist.

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