| Wer wissen will,
wie ich persönlich WWW-Internet Seiten beurteile, sollte sich die Hinweise auf dieser
Seite ansehen. Sie gelten für mich neben der Barrierefreiheit als Kriterienkatalog für
seniorenfreundliches Webdesign. Übrigens, eine gute Zusammenfassung der relevanten
Standards für Barrierefreiheit ist z.B. auf http://www.jimthatcher.com/sidebyside.htm
und Hinweise gibt es auch auf http://www.barrierefreies-webdesign.de/, die gleichzeitig auch ein
gutes Beispiel für eine barrierefreie Seite abgibt. Kommt es zu Konflikten zwischen Barrierefreiheit und Seniorenfreundlichkeit, dann stimme ich natürlich für die Letztere, ausgenommen natürlich bei jenen Bereichen (z.B. Behörden), die aus politischen Gründen barrierefrei sein müssen. Barrierefrei heißt, dass jeder, auch Behinderte, speziell Blinde, sich im Netz zurechtfinden können müssen. Aber nicht alles lässt sich mit vertretbarem Aufwand barrierefrei machen und kann trotzdem nützlich für eine große Anzahl von Senioren sein. Und auch dies muss gestattet sein, denn, um ein Beispiel aus einem anderen Bereich zu nehmen, ich würde es als Quatsch empfinden z.B. das Bergsteigen zu verbieten, nur weil Rollstuhlfahrer daran nicht teilnehmen können.
Es mag für alle Printmedien orientierten Menschen unglaublich erscheinen, aber Design im klassischen Sinne spielt im Internet eine untergeordnete Rolle. Worauf es im Wesentlichen ankommt, das ist der Inhalt und dass die Seite auch von Google vorrangig gefunden wird. Also sollte man sich nicht allzu stur auf Webdesignrichtlinien festlegen. Entscheidend ist die tatsächliche Akzeptanz durch alte Menschen und nicht eine stupide Richtlinie. Wer Senioren zum Testen seiner Seiten einsetzt, wird viel dabei lernen und stets auf der sicheren Seite sein.
Optimal für Webdesigner ist, wenn sie - hoffentlich gratis - Internet Kurse für Senioren geben. Kunden dazu findet man überall, man muss sich nur an die lokalen Altenverbände oder auch an die Volkshochschulen wenden, vielleicht aber hat man seine "Tester" auch ganz nahe in der Familie oder in der Nachbarschaft. Dann werden sie staunen, was alles nicht erklärbar ist oder nicht funktioniert. Und nirgendwo bekommt man billiger so direkteres und besseres Feedback! Und die alten Menschen haben auch was davon! Das WWW-Internet ist überwiegend ein Pullmedium (oder Holmedium), d.h. jemand sucht etwas und will es aus dem Netz ziehen oder dort abholen (to pull = ziehen, wie beim Lexikon oder Telefonbuch). Das Internet ist das "Medium der Suchenden", damit es nicht zum Medium der Wartenden wird, muss es schnellen Zugriff bieten und sehr direkt sein. Alles, was sich dem Finden in den Weg stellt, wird als Hindernis oder Störung empfunden und schreckt ab. Hat man dies erst akzeptiert, dann versteht man die folgenden Hinweise sehr viel besser. An Hand der nicht auszurottenden "Willkommensseiten" kann man den Effekt am besten erklären. Sie wirken bei einem Pullmedium wie ein Wächter, ein Türsteher, der abhält. Menschen, die in Pushmedien (z.B. Fernsehen, Werbung, aber auch E-Mail) denken, glauben, sie laden damit ein, ihre Seite zu besuchen. Sie erreichen aber gerade das Gegenteil. Darum sind diese Intro-Seiten für mich ein guter Test, ob die Anbieter das Medium Internet kapiert haben.
Minimale MausklicksZu den wichtigsten allgemeinen Prinzipien für Seniorenfreundlichkeit gehört die Reduzierung der Mausklicks. Der Umgang mit der Maus ist für alte Menschen extrem problematisch. Es ist wesentlich einfacher mit dem Scrollrad auf der Maus zu scrollen, als zur nächsten Seite zur klicken. Mehr als 4 Klicks (d.h. auch Links), um zum Ziel zu kommen, sollten es nicht sein. Diese Anforderung hat weitreichende Folgen. Man vermeide spezielle Eröffnungs- oder Begrüßungsseiten. Der Auftritt führt direkt zum Inhalt, an dem das Wichtigste immer gleich am Anfang stehen soll. Ebenso störend sind Daten im PDF Format. Auch bei ihnen muss man zuviel Aufwand treiben. Ich sage immer, wer PDF anbietet, will keine Geschäfte machen. Ein häufiger Grund für solche Seiten ist neben der Eitelkeit der Designer oder Unwissenheit der Auftraggeber vor allem die Sprachauswahl, z.B. zwischen Deutsch und Englisch. Diese kann man aber automatisieren, da man weiß, auf welche Sprache der Browser eingestellt ist und man sollte per Default immer in dieser Sprache antworten. Erst dann kann man weitere Auswahlmöglichkeiten anbieten. Deutsche Senioren wollen auf Deutsch angesprochen werden. Viele von ihnen haben Probleme mit englischen Ausdrücken! Vermeidet man das Klicken, dann werden die Seiten wesentlich größer, als es den bisher praktizierten Standards entspricht. Da aber mit DSL die Leitungen auch sehr viel leistungsfähiger geworden sind, ist das heute kaum ein Problem mehr. Mein maximales Seitenlimit ist übrigens 100 KB.
Schnelle Technik mit beliebig langsamen BenutzernZeitfaktoren spielen für Senioren eine große Rolle. Sie wollen das Tempo immer selbst bestimmen können. Auch dies hat ganz weitreichende Folgen. So müssen Startseiten superschnell laden, die Ungeduld ist groß, aber es darf an keiner Stelle Zeitdruck ausgeübt werden. Es darf also im Normalfall keine Zeitabhängigkeiten geben. Nicht immer ist dies auch durchführbar, aber doch in vielen Fällen. Ein häufiges Negativbeispiel sind Sprungseiten, die aus Kontinuitätsgründen (man sollte nie eine etablierte URL aufgeben, auch wenn sie ohne aktuellen Inhalt ist) notwendig sind. Hier ist dann der Weiterleitungszeitraum so groß zu wählen, z.B. 5 Sekunden, dass man auch wieder die Rückwärtstaste einsetzen kann, ohne in großen Zeitdruck zu kommen. Wer Zeitabhängigkeiten reduzieren will, muss auch Bewegung vermeiden, anders ausgedrückt auf alle dynamischen Elemente verzichten. Dazu gehören Flashs, dynamische Banner, Flickern und was sonst noch den meist jugendlichen und unerfahrenen Designern so einfällt. Ganz schlecht sind dynamische Ziele, auf die man klicken muss, auch das findet man immer wieder. Die Seniorenwelt ist statisch. Sie selbst würden sie als geruhsam und gemütlich bezeichnen. Das einzige, was sich bewegen darf, das sind Fernsehbilder! Bei Downloads wird stets die Größe der Dateien (in Bytes) angegeben. Dann hat man eine Vorstellung, wie lange es dazu dauern wird. Da die Inhalte im Internet immer flüchtig sind, wollen Senioren sie auch ausdrucken können. Dies dient nicht nur zum genaueren Studieren unabhängig vom Rechner, sondern auch um auf Reisen die Daten bei der Hand zu haben oder sie mit Bekannten austauschen zu können. Es muss also immer möglich sein, auf bequeme Weise Ausdrucke machen zu können. Ich habe das Format dieser Seiten so gewählt, dass beim Ausdrucken die Navigationsleiste rechts (inklusive Werbung) fast wegfällt. Dies wird als sehr angenehm empfunden!
Orientierung, Navigation, Erinnerung und LernfähigkeitLernen durch Versuch und Irrtum funktioniert im Alter nicht mehr. Senioren merken sich nicht, welche Wege sie im Netz gegangen sind und können daher auch nicht aus ihren Fehlern lernen. Die Lösung dieses Problems ist relativ einfach, wird aber trotzdem häufig nicht angeboten. Man muss jeder Seite eine Internet-Adresse (URL) zuordnen können, die man dann unter den Favoriten speichern kann oder die man auf einem Ausdruck sieht! Diese einfache Forderung hat weitreichende Konsequenzen. Eine ist, dass man keine Frames einsetzen darf! Eine andere ist die Angabe der Adresse auf jeder Seite. Hilfreich sind auch lokale Suchmachinen, wie sie z.B. Google anbietet. Auch sie helfen schnell das Gesuchte zu finden. Bei einfachen Präsenzen, wie den Seniorenfreundlich-Seiten, ist die Linkleiste rechts mit allen verfügbaren Seiten und einer ganz flachen Hierarchie (ohne jegliche Nestung) sehr angenehm und leicht zu implementieren. Zur Desorientierung trägt auch die Werbung bei, die sich nicht immer vermeiden lässt. Ich könnte z.B. ohne Werbung nicht so viele Hinweise gratis anbieten. Diese Werbung muss deutlich abgesetzt und statisch sein, dann stört sie kaum. Zumindest in Texten sollten Links durch Unterstreichung gekennzeichnet sein. Umgekehrt sollte hinter jeder Unterstreichung ein Link stehen. Die so beliebte farbige Markierung ist für Menschen, die schlecht sehen, unzureichend und auch unwichtig, ebenso "Mouseover", wenn jede Bewegung mit der Hand weh tut. Ich verwende als Standardfarben TEXT="#000000" BGCOLOR="#FFFFFF" LINK="#000000" VLINK="#000000" ALINK="#000000" und es hat sich noch niemand darüber beschwert, dass er besuchte Links nicht markiert bekommen hat. So bleiben die Seiten einfärbig, kontrastreich und gut zu lesen. Schaltflächen, z.B. Knöpfe (Buttons), müssen groß genug und weit genug voneinander entfernt sein sein, dass auch eine zittrige Hand sie leicht trifft. Adäquat würde ich 8mm Durchmesser finden. Neue Fenster sind nur dann zu öffnen, wenn man das bekannte Terrain verlässt oder wenn man Druckausgaben vorbereitet. Bei Formularen kann man dem RESET = LÖSCHEN Button getrost weglassen. Wer Eingaben korrigieren will, kann dies auch anders machen, aber es ist mehr als ärgerlich, wenn man ihn unabsichtlich drückt und alles erneut eingeben muss! Die minimale, getestete Bildschirmgröße sollte 15 Zoll sein, denn es sind viele Notebooks im Einsatz!
Mit wem hat man es zu tun?Selbstverständlich hat heute jeder Internetauftritt ein Impressum mit den gesetzlich vorgeschrieben Daten. Den Senioren aber reicht dies nicht. Sie wollen mehr wissen, sind meist kritisch und geben sich mit anonymen Auskünften nicht zufrieden. Seniorenfreundliche Seiten nehmen darauf Rücksicht. Sie erlauben nicht nur den E-Mail Kontakt, sondern geben auch Telefonnummern an. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, auch Fotos von mir ins Netz zu stellen, auch das hilft selbst im anonymen weltweiten Netz gleich einen persönlichen Kontakt herstellen zu können. Übrigens, betreibt man seine Seiten nicht kommerziell, sondern so wie ich mehr oder weniger als Hobby, dann sollte man die E-Mail Adresse stets nur als Bild angeben und auf Telefonnummern ganz verzichten. So nett ich es auch finde mit Menschen zu reden, es wurden dann doch zu viele. Aber kommerzielle Anbieter müssen anders agieren und den persönlichen Kontakt zulassen. Mit entsprechender Preisgestaltung der Telefongebühren muss dies kein Verlustgeschäft bedeuten.
Fonts, Farben, Formate und FotosHier gebe ich - bunt gemischt - einige Tipps dazu an. Es sind die klassischen Designelemente, die wie gesagt zwar eine untergeordnete Rolle spielen, aber dennoch zur Akzeptanz beitragen können. Fonts Alte Menschen sehen schlechter und sind meist Brillenträger. Fonts müssen also vergrößerbar sein (das kann jeder Browser), die Kontraste müssen hoch sein. Fontsgröße im Standardmodus mindestens 12 Punkte. Für Texte, die auf allen Seiten gleich sind, wie auf dieser Seite rechts die Inhaltspunkte können es auch 10 Punkte sein. Italics (Kursivschriften) vermeiden. Sie sind meist schlechter lesbar. Keine Bilder für Texte (als Ausnahme lasse ich E-Mail Adressen gelten, denn nur so kann man sich effektiv vor Spamming schützen). Der Grund für diese Regel ist, dass diese Texte dann durch die Ansichtsoption nicht vergrößert werden können und die Texte nicht mehr maschinenlesbar sind. Verschiedene Fonts sehr sparsam einsetzen. Ich habe mich fast ausschließlich auf Arial festgelegt. Farben Viele Senioren sind farbenblind. Deshalb Farben als Unterscheidungsmerkmal besser vermeiden. Farben nur zur Gestaltung und Auflockerung. Keine schwarzen oder dunklen Hintergründe. Formate Seiten in Standard HTML. Keine Seiten im .pdf Format oder Wordformat (.doc), diese beiden Formate sind wirklich nur für Dokumente, vor allem zum Ausdrucken, sinnvoll. Aber Seiten in .txt Format sind möglich. Sie sind eine einfache Möglichkeit, schnell und unproblematisch Texte ins Netz zu stellen. Fotos Die Inhalte müssen so sein, dass die Texte auch sinnvoll bleiben, wenn man Bilder und Texte nicht sehen kann (Barrierefreiheit)! Bei Bildern gilt fast immer: Lieber Querformat als Hochformat (Ausnahme reine Portraits). Bilder, auf denen man Details erkennen soll, müssen im Querformat mindestens 500 Pixel und dürfen maximal 800 Pixel breit sein. Im Hochformat mindestens 343 und maximal 600 Pixel. Dabei darf das kleine Bild nicht viel mehr als 60 KB , das große nicht viel mehr als 100 KB groß sein. Selbst Daumen oder Briefmarken dürfen nicht kleiner als 100 Pixel breit oder 75 hoch sein (Querformat) oder 75 mal 100 (Hochformat). Bilder sind mit erklärenden und sprechenden ALT-Texten zu versehen. Es ist nicht falsch, ganz altmodisch Bildunterschriften anzugeben.
Zusammenfassung und Checkliste
Die Checklisten dieser Seite und der Seite mit den Gesundheitsthemen kann man als Merkblatt bequem ausdrucken.
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2009 Otto Buchegger, Tübingen