seniorenfreundlich.de - Senioren besser verstehen

Bevor ich mit dieser Seite begonnen habe, war ich neugierig, wie viele Saunaregeln schon im Netz sind. So an die 1000 Seiten beschäftigten sich im Jahre 2003 damit, aber ich habe nur wenige gefunden, die meinen eigenen Empfehlungen entsprechen.

Entweder sind die vorhandenen Hinweise zu streng medizinisch ausgelegt oder zu sehr auf die sportlichen Aspekte hingetrimmt. Aber der für mich wichtigste Teil der Sauna, das Vergnügen, kommt fast immer zu kurz. Deshalb habe ich mir auch noch die Mühe gemacht, darüber kurz zu schreiben.

Ich gehe jetzt seit über 35 Jahren in die Sauna und wurde in dieser Zeit überhäuft mit Tipps, Regeln und Vorschriften. Sicherlich waren diese am Anfang ganz nützlich, damit ich mir keinen Schaden durch grobe Fehler zufüge, aber unter dem Strich sind sie alle überflüssig. Wer oft genug in die Sauna geht, erkennt bald selbst was gut für ihn oder sie ist und was besser zu vermeiden ist.

Sauna ist für mich immer "Kür" und nie "Pflicht". Ich mache es, weil es mir Spass macht und weil ich mich gut dabei und danach fühle. Sauna ist auch immer "Vergnügen" und nie "Sport". Saunieren hat nichts mit Leistung oder Rekorden zu tun, auch nicht mit Mut, sondern mit Wohlbefinden, Erholung, Entspannung und nicht zuletzt auch mit Kommunikation.

Ich hatte jahrelang selbst eine private Sauna und bin aber trotzdem in die öffentliche Sauna gegangen, nicht nur weil ich zu faul zum aufwändigen Reinigen meiner eigenen Sauna war, sondern weil ich den Kontakt mit den anderen Mitsaunierern vermisst habe.

Foto von Otto Buchegger

Saunieren hat auch wenig mit Voyeurismus zu tun. Die meisten Menschen sehen angezogen viel sexyer aus, als nackt. Wenn ich heute trotzdem die gemischte Sauna bevorzuge, dann weil sie viel unterhaltsamer ist, als reine Männersaunen. Dasselbe sagen übrigens auch die Frauen, die ich kenne. Auch in den reinen Frauensaunen scheinen die Themen langweilig zu werden.

Und Kommunikation ist ein wichtiger Faktor. Ich gehe deshalb immer mit den gleichen Freunden und - nebenbei gesagt - auch immer am selben Wochentag in die Sauna. Wer noch niemanden kennt, braucht sich nur eine regelmäßige Zeit für den Saunabesuch auszuwählen, im Laufe der Zeit wird ganz von selbst ein Bekanntenkreis entstehen. Das gemeinsame Schwitzen verbindet, es öffnet die Herzen und schließlich auch die Münder.

Aber da die Sauna auch ein Ort der Ruhe ist, wird es wahrscheinlich angebracht sein, in den dafür ausgewiesenen Ruheräumen dann doch eher zu schweigen. Dort würde ich auch nicht lesen, denn auch das stört die Ruhe. Einfach bei gedämpftem Licht liegen und ausruhen, das bringt nicht nur mir am meisten. Wer es noch nicht kann, sollte es lernen. Schwätzen in Ruheräumen gehört zum störendsten in der Sauna überhaupt.

Damit es dabei nicht zu kalt wird, empfehle ich einen warmen, flauschigen Bademantel, der leicht waschbar ist, z.B. aus Frottee. Wer leicht friert, wird auch immer Socken mitnehmen, damit die Füße schön warm bleiben. Zum Herumgehen braucht man auch noch Badeschlappen, die auf keinen Fall auf nassen Fliesen rutschen dürfen.

Man wird also eine große Badetasche für die Sauna brauchen. Darin ist bei mir alles, was ich immer mitnehme. Seife für die gründliche Vorreinigung und ein Shampoo fürs Haarewaschen nach dem letzten Durchgang. Ein Handtuch zum Abtrocknen nach der Vorreinigung, (wer trocken in die Saunakammer geht, schwitzt besser). Eine Nagelschere und ein Kamm dürfen auch nicht fehlen. Wenn es in der Sauna nichts zu trinken gibt, dann sollte man auch noch eine große Plastikflasche (nie Glaswaren verwenden) mit Mineralwasser seiner Wahl mitnehmen.

Bisher habe ich noch kein optimales Saunatuch zum Kaufen gefunden. Die käuflichen Saunahandtücher sind zu klein oder zu dünn. Sie sollten so groß sein, dass man wirklich bequem (auch mit dem Kopf) darauf liegen kann und dick genug, dass auf keinen Fall Schweiß durchlecken kann. Ich habe mir aus Frotteestoff ein doppellagiges Tuch selbst angefertigt, in der Größe 2 Meter mal 0,5 Meter. Und obwohl es einmal pro Woche gewaschen wird, hat es mich schon einige Jahre begleitet. Aber mit zwei großen Saunatüchern kann man den gleichen Effekt erzielen, nur die Handhabung ist dann etwas unpraktischer, dafür trocknen diese leichter.

Die Vorreinigung wird oft vernachlässigt. Sicherlich wird man nach drei Saunagängen dann auch sauberer als vorher sein, aber nichts ist unangenehmer als ein stinkender Nachbar in der Sauna. Also mit viel Seife "Schweiß und Scheiß" (wie ein Freund von mir sagt) abwaschen. Mit diesem Reinigen kann man dann auch gleich seine Sorgen und eventuellen Stress in der Dusche ablegen. Dass man vor dieser Reinigung auf die Toilette geht, versteht sich von selbst.

In die Saunakammer geht man in unseren Landen splitternackt, nur mit dem Saunatuch als Unterlage bewaffnet. Gegenstände aus Metall, wie Brillen oder Armreifen, muss man draußen lassen, denn sie erhitzen sich unangenehm. Metall, das durch den Körper gekühlt wird, wie Ringe, Halsketten oder auch dafür geeignete Uhren kann man bedenkenlos auch in der Sauna tragen. Nicht überall geht man nackt in die Sauna, in den USA würde man damit unangenehm auffallen. Aber auch in Europa trägt man in manchen Ländern Badekleidung oder zumindest einen Schurz.

Manche nehmen auch Bürsten mit, um damit die Haut zu aktivieren. Ehrlich gesagt hasse ich diese bei anderen, denn dabei wird immer deren Schweiß auf mich gespritzt, also lasse ich es selbst auch bleiben, obwohl es schon angenehm wäre, sich zu bürsten. Wenn die Kammer nicht voll ist, kann man es ja versuchen, in der vollen Sauna ist das Bürsten aber eine Zumutung!

Ich liebe kurze und heiße Saunagänge. Leider wollen dies nicht alle so, besonders in gemischten Saunen wird es schwierig sein, hier den richtigen Kompromiss zu finden. Frauen ist es leicht zu heiß, Männern kann es gar nicht heiß genug sein. 95 Grad sollte es schon haben. Alles unter 85 Grad ist keine Finnische Sauna mehr, sondern ein warmer Aufenthaltsraum.

Zum Glück sind sie Temperaturunterschiede auf den meist drei verschiedenen Stufen gravierend, man kann also durch Platzwahl die optimale Temperatur selbst mit steuern. Unten ist es kältesten, oben am wärmsten. Neben dem Ofen ist es heißer, an der Tür kälter. Wer also nichts wagen will, sollte unten neben der Tür starten. Genießer werden sich aber den heißesten Platz oben "an der Sonne" nehmen.

Ob man liegt oder sitzt ist eher eine Platzfrage, als eine gesundheitliche Entscheidung. Wer liegt, hat gleichmäßigere Temperatur, dann sind Kopf und Füße gleich heiß, wer sitzt bekommt einen heißeren Kopf. Vor den Rausgehen sollte man sich auf jeden Fall kurz aufsetzen, damit der Kreislauf wieder stabil wird.

Und wie lange sollte ein Durchgang sein? Solange er Spaß macht, wäre für mich die richtige Antwort. Deutsche aber pflegen nach der Uhr zu saunieren und so hat auch jede Saunakammer hier eine Uhr. Wenn ich gut drauf bin und die Unterhaltung in der Saunakammer anregend ist, dann werden es schon 12 Minuten, aber auch nach 8 Minuten kann es genug sein, mehr als 20 Minuten sind wahrscheinlich zu viel.

Da wenig Sauerstoff in der Saunakammer ist, wird häufiges Gähnen darin garantiert. Deshalb aber die Konversation einzuschränken, wie es manche Regeln empfehlen, halte ich für Unfug. Denn der Sauerstoffmangel wird die Unterhaltung sehr belustigen, es ist fast wie ein kleiner Schwipps ohne Alkohol, der in der Sauna für mich absolut nichts verloren hat. Weder als Getränk, noch als Aufgusszusatz. Auch Nikotin hat in der Sauna nichts verloren, auch wenn es meist keine Rauchverbotsschilder gibt. Dasselbe gilt auch für Kaffee. Sie alle sind entweder wassertreibend oder verschließen die Hautporen und kommen so mit dem Schwitzen in Konflikt.

Strenge Regeln verbieten generell das Trinken während der Saunadurchgänge. Auch dies ist in meinen Augen Unfug. Wenn ich durstig bin, dann trinke ich mein Mineralwasser, ob jetzt vor, während oder nach der Sauna. Nach der Sauna schmeckt es allerdings am besten. Genug zu trinken ist sehr wichtig, denn Dehydration (Wasserentzug) macht nicht nur glücklich, sondern leider auch dumm!

Vor der Sauna esse ich eine Kleinigkeit. Man erkennt leicht an den Gesprächen, wer hungrig in die Sauna gegangen ist. Dann wird nur ständig vom Essen gesprochen. In der Sauna zu essen, erscheint mir unappetitlich. Ich erinnere mich noch mit Ekel an die Pizzareste am Boden einer Sauna, die ich allerdings dann auch nur ein einziges Mal besucht habe. Ganz anders ist dies, wenn es ein eigenes Restaurant gibt. Warum sollte man nicht dann auch dort im Bademantel leckere Speisen genießen?

Nach dem Saunadurchgang kommt die Abkühlphase, die auch wieder solange dauern wird wie die Aufheizphase in der Sauna. Zuerst ins Freie, um die Lungen abzukühlen, dann kalte Güsse. Wenn es ein Kaltwasserbecken gibt, dann sollte man sich unbedingt zwingen darin einmal unterzutauchen (wenn es der Arzt gestattet hat). Dies ist der einzige Zwang, den man sich auch in der Sauna auferlegen soll. Ansonsten wird man dieses wohlige Gefühl danach nie bekommen!

Apropos Arzt: wer noch keine Saunaerfahrung hat, nicht mehr der Jüngste ist oder eine spezielle Behandlung bekommt, sollte ihn vorher fragen. Ansonsten halte ich es wie die Finnen, wer zur Sauna hingehen kann, darf auch hineingehen. Es gibt also für Gesunde keine Beschränkungen (Babys ausgenommen, aber die können ja auch nicht hingehen!).

Wer allerdings schon erkältet ist, der sollte die Sauna besser meiden. In der Sauna wird man nicht gesund, man bleibt es durch das regelmäßige Saunieren, im Sommer genau so wie im Winter. Abgesehen, dass man seine eigene Erkältung oder sogar Fieber oder eine Grippe durch die Sauna verschlechtert, steckt man durch engen Kontakt auch andere an, was nicht Sinn dieser nützlichen, sozialen Institution sein kann.

Im Normalfall mache ich drei Saunadurchgänge, also dreimal den Zyklus Aufheizen, Abkühlen, Ruhen. Jeder Durchgang dauert etwa 40 Minuten (10 Aufheizen, 10 Abkühlen, 20 Ruhen), also wird man dafür mindestens 120 Minuten, das heißt 2 Stunden brauchen. Aber in Ausnahmefällen tun mir auch schon 2 Durchgänge gut und wenn ich viel Zeit habe, werden es auch 4.

Erfahrungsgemäß muss die Haut erst lernen, wie man in der Sauna schwitzt. Wer also beim ersten Saunagang in seinem Leben nicht sofort ins Schwitzen kommt, muss etwas Geduld haben. Nach einigem Training wird die Haut sekundenschnell auf die trockene, heiße Luft reagieren.

In den Pausen zwischen den Durchgängen werden gerne Fussbäder genommen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, nur sollte das letzte Fussbad immer ein warmes sein, damit man nie mit kalten Füßen in die Saunakammer geht.

Sport ist in den Pausen abzuraten, wenn Sport, dann immer vor der Sauna. Das gilt auch für sportliches Schwimmen. Aber gegen Treiben im warmen Becken und langsames Schwimmen ist sicher nichts einzuwenden.

In den Pausen ist auch Platz für Massagen, die ich als sehr angenehm empfinde. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das gönnen (vorausgesetzt es gibt gute Masseure, die allerdings rar sind). Eine Rücken- und eine kurze Fussmassage vor dem letzten Ruhen, das ist wahrer Genuss.

Angenehm ist auch ein Maniküre - und vor allem Pediküre-Service. Gerade die Fusspflege wird von älteren Saunagängern sehr geschätzt, denn sie macht ihnen wegen fehlender Beweglichkeit gerne Probleme. Und auch ein Friseur kann praktisch sein, vor allem für Herren.

Sonnenbäder (mit Höhensonnen) sind dagegen  - zum Glück - fast ganz aus der Mode gekommen. Es hat sich herumgesprochen, dass man damit den Hautkrebs füttert.

Für manche ist ein Saunadurchgang erst perfekt, wenn es einen Aufguss gibt. Dabei wird kurzfristig die Luftfeuchtigkeit stark erhöht und es geht ein Schwitzschock durch den Körper. Mir selbst bringt dies wenig. Im Gegenteil, die meisten Bademeister gießen viel zu viel Wasser auf den Ofen, dadurch sinkt die Raumtemperatur stark und die schwitzfördernde Wirkung wird stark reduziert. Aber dies ist Geschmacksache, denke ich, genau so wie die vielen Zusätze, die dabei verwendet werden. Da in den meisten Saunen die Aufgüsse ohnehin streng geregelt werden, kann man sich ja entscheiden, ob man einen nehmen will oder nicht.

Eine gute Sauna hat nicht nur die notwendigen Einrichtungen, sondern vor allem das richtige Publikum. Die Menschen in der Sauna sind der wichtigste Faktor für eine erholsame Zeit. Man kann natürlich auch hier dazu beitragen, in den man mit den Menschen, die man mag, dorthin geht oder sich ein bisschen herumsieht und testet.

Es lohnt sich vielleicht Freunde, die bisher saunabstinent waren, zu einem Testbesuch zu überreden und einzuladen. Allerdings wird ein einziger Besuch kaum genügen, um die Vorteile schätzen zu lernen, aber einen Versuch ist es meist wert. Vor allem nimmt man damit Neulingen doch etwas die Angst vor den vielen für sie ungewohnten Neuerungen.

Aber wer diesen Text bis hierher gelesen hat, ist informiert genug und wird es auch alleine wagen, einmal eine Sauna in seiner Nähe zu testen. Einfach ins Telefonbuch schauen und per Telefon oder Internet die Öffnungszeiten erfragen. Wird die Sauna persönlich geführt (und nicht wie in vielen Städten von Automaten verwaltet), dann darf man sich gerne vom Betreiber eine kurze Einführung geben lassen. Auch hier gilt: Wer nicht fragt, bleibt dumm!

Es gibt viel Literatur zum Thema Sauna und - wie anfangs gesagt - auch viele Informationen im Netz. Sie alle aber ersetzen nicht die persönliche Erfahrung. Wer kann schon dieses wohlige Gefühl beschreiben, diese totale Entspannung, die oft sogar noch besser als Sex und so leicht und problemlos erhältlich ist!

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