| Unter den Problembereichen im Alter nimmt
das Sehen sicherlich eine ganz wichtige Stellung ein. Auf Geriatrieseiten sind die medizinischen Gründe dafür auch für Laien gut erklärt. Für unsere
Betrachtungen hier genügt es zu wissen, dass alte Menschen vieles viel dunkler sehen und
nicht mehr so scharf (selbst mit Brille), dass ihr Gesichtsfeld eingeengt ist, und dass
sie länger brauchen, um schnelle optische Reize zu verarbeiten. Neben den medizinischen Behandlungen, die immer besser und ausgefeilter werden, sind die Lösungen für die Erleichterung der Situation meist sehr einfach und trotzdem sehr wirkungsvoll.
Die wichtigste Hilfe ist, dass es hell genug ist. Auf der Wahrnehmungsseite sind einige Negativbeispiel dazu aufgeführt. Diese sollte man vermeiden. Wer als Nichtsenior unsicher ist, ob es hell genug ist, setze sich eine starke Sonnenbrille auf und betrachte das optische Angebot nochmals. Auch helle, bunte Farben und starke Kontraste helfen bei der Orientierung, wobei grün und blau nicht gut unterscheidbar sind. Die weißen oder gelben Linien zum Markieren von Stufen (z.B. auf Rolltreppen) sind ein gutes Beispiel. Aber auch große, bunte Farbkleckse können eine ähnliche Hilfe bieten. Beim Lesen helfen heute Computer mit ihren Bildschirmen Texte und Bilder besser zu betrachten. Dabei ist mir persönlich Helligkeit und guter Kontrast wichtiger als die Größe. Denn durch mein eingeschränktes Gesichtsfeld muss ich bei einem großen Schirm (größer als 17 Zoll) meinen Kopf viel zu viel bewegen, was auch nicht angenehm ist. Wer viel mit dem Rechner arbeitet, braucht dafür eine spezielle Brille, die für Bildschirmdistanz (50-70 cm) und Schirmgröße optimiert ist. Gleitsichtbrillen und Lesehalbbrillen sind ungeeignet. Lesen bei Beleuchtung wird angenehmer, wenn man eine Tageslichtleuchte einsetzt. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen. Sie sind hell und flackern nicht! Um sich beim Sehen nicht umdrehen zu müssen, bieten Videokameras (z.B. im Auto) oder auch ganz altmodische Spiegel wirklich Erleichterung. Optische Informationen in Augenhöhe und etwas darunter sind am angenehmsten. Muss man sich zum Sehen bücken oder aufschauen, besteht die Chance, dass man die Informationen übersieht. Sind Texte nur mit Brille lesbar (mit Fonts kleiner als 16 Punkte), dann sind sie tiefer als 120 cm sinnlos. Bei einer Augenhöhe von z.B. 170 cm und einer Sichtreichweite der Brillen von 50 cm kann man leicht verstehen, warum dies so ist. Aus ähnlichen Gründen ist auch unbedingt der Boden von Stolperfallen frei zu halten. Neben den Sehhilfen Brillen sind auch Lupen eine Hilfe. Vor allem wenn sie groß genug sind und eventuell auch eine eingebaute Beleuchtung haben. Dabei aber dürfen sie nicht zu schwer werden. Wer nun "Leihbrillen" anbieten will, damit die Seniorenkunden z.B. im Restaurant die Speisekarte oder im Kaufhaus die Produktbeschreibungen lesen können, braucht keine große Auswahl anzubieten. Billige Lese-Brillen aus den Drogeriemärkten in einer Stärke von 1,75 oder auch 2 Dioptrieen tun es. Es ist erstaunlich, wieviele Menschen für die kurze Zeit des Informierens damit gut zurecht kommen. Grelles Licht, z.B. das Blenden beim Autofahren, führt zu vorübergehender Blindheit und stellt eine große Gefahr dar. Die Beleuchtung soll zwar hell sein, aber nicht blenden. Die so beliebten Xenon-Leuchten sind ausgesprochen seniorenfeindlich, wenn andere sie benutzen. Hier ist die Industrie einen Irrweg gegangen.
Extrem blendender Flash, der während der Fussball WM 2010 bis zum vier mal pro Minute eingeblendet wurde und das Zusehen zur Qual machte! Ansonsten muss der optische Sinn durch den Tastsinn, das Hören oder vielleicht sogar durch den Geruchssinn ergänzt oder substituiert werden. Damit kann man erstaunliche Erleichterung bringen und gravierende Folgeerscheinungen des schlechten Sehens, wie unsicheren Gang, reduzieren. Beim Wandern helfen Stöcke, um nicht so leicht zu stürzen. Zum Glück hat das Nordic Walking diese jetzt auch im Alltag salonfähig gemacht. Hier hilft dann der Tastsinn sich besser zu bewegen. Auch Geländer und Handläufe erfüllen die gleiche Aufgabe und machen so Treppen und Stufen problemloser. Und auch die Hilfe, dass man nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit den Händen Kraft zum Bewegen hat, ist u.U. wichtig. Zusätzlich wird dort gute Beleuchtung und farbliche Markierung der Stufen das Unfallrisiko reduzieren. Viele alte Menschen sehen nur noch auf einem Auge, das heißt sie können nur noch erschwert räumlich sehen und deshalb kurze Entfernungen nur schlecht einschätzen. Sie sind für diese Markierungen sehr dankbar. Mit Bewegungsmeldern kann man nicht nur für zusätzliches Licht sorgen, sondern auch akustische Warnungen geben. Generell dürfen keine Stolperfallen angebracht sein, wie Teppiche, Kabel, oder niedrige Geräte die am Boden stehen. Auch die Gänge sollten leer sein. Ganz problematisch empfinde ich immer wieder Fahrräder, die gedankenlos abgestellt werden und im Halbdunkel kaum auszumachen sind. Neben dem Tastsinn ist auch das Hören unterstützend, wenngleich dieses inzwischen auch nicht mehr so gut wie früher sein mag. Aber akustische Reize können optische gut unterstützen und so wechselseitig gemeinsam wirken. Wie gut akustische Informationen sind, kann man immer wieder an Blinden sehen, die ganz auf diese angewiesen sind. Es gibt inzwischen viele Medieninhalte, die früher dem Buch oder der Zeitung vorbehalten waren, auch in akustischer Form. Bekannt ist das Hörbuch, das immer mehr Zuhörer findet, nicht nur unter den Alten, sondern auch bei Menschen, die z.B. Autofahren müssen. Man kann sich Texte im Internet durch Programme vorlesen lassen und so mehr von der Welt erfahren. Last but not least kann man auch Düfte und Gerüche benutzen, um optische Informationen zu unterstützen. Die Werbung für Lebensmittelprodukte (z.B. beim Bäcker) macht dies schon lange. Aber das Feld für weitere Anwendungen ist groß und man muss sich dabei nicht nur auf die Sexuallockstoffe (z.B. in Form von Parfums) beschränken. Wie man Internetseiten seniorenfreundlich gestaltet, wird zum Teil auf der Seite Internet-Design erklärt. Besser als jede Theorie aber ist der Praxistest durch alte Menschen. Ich kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass Menschen über 60 so verschieden sind von den Jugendlichen, dass nur ein Test mit der Zielgruppe Klarheit für die Akzeptanz von Produkten und Dienstleistungen bringen wird.
Haben Sie hier nicht das gefunden, was Sie gesucht haben, dann versuchen Sie es bitte mit
|
Homepage Newsletter Aktivitäten E-Mail
AMAZON
|
www.seniorenfreundlich.de/sehen.html
© 2009 Otto Buchegger Tübingen
Senioren besser verstehen |
Ein Klick aufs Bild zeigt den Bucheinband |