SENIORENAUTO

Ich muss immer lachen, wenn ich in den Versicherungs- und Sparkassenwerbungen die Autos sehe, die sich angeblich die Senioren wünschen. Meist sind es Porsches. Wahrscheinlich sind es die Träume der Werber, die sich hier wiederspiegeln, mit der Realität hat dies wenig zu tun, obwohl es tatsächlich immer wieder alte Menschen gibt, die sich für sie ungeeignete Autos entscheiden. Nach kurzer Zeit sind sie dann aber von ihren nostalgischen Jugendfantasien geheilt.

Man sitzt nämlich viel zu tief in diesen Sportautos, die meisten Senioren würden im Alltag arge Probleme beim Aus- und Einsteigen haben, ganz abgesehen von den hohen Kosten, die dieses Auto verursacht. In meinem Umfeld sehe ich, dass die A-Klasse von Daimler-Chrysler sich für diese Werbung besser eignen würde. Manchmal wird sogar gespöttelt, ob A-Klasse nicht für Alten-Klasse steht.

Wer aber ein Spaßauto haben will, der wird sich heute z.B. den SMART als Seniorenauto aussuchen. Er ist billig genug, braucht so wenig Platz, dass man ihn fast als motorisierten Rollstuhl einsetzen kann, ist perfekt zum Aus/Einsteigen, weil man hoch genug sitzt, bietet auch guten Sitzkomfort für eine längere Fahrt und überzeugt mit niedrigem CO2 Ausstoss. Vielleicht gibt es ihn einmal mit (automatischer) Schiebetür, dann wäre er noch besser als Seniorenfahrzeug geeignet.

Das typische Stadtauto in Rom, ein SMART

Aber für die meisten Seniorinnen und Senioren wird aus praktischen Gründen das Seniorenauto (in Österreich nenn man es auch Pensionistenauto) eher ein Nutzfahrzeug werden, das auch erlaubt, damit mit Geräten in den Garten zu fahren, kleinere Transporte durchzuführen, Platz genug für den Hund oder zum Abholen der Enkelkinder hat (und damit Kindersitze aufnehmen kann). Höchstgeschwindigkeit und Prestige spielen kaum noch eine Rolle, wohl aber Platz, Sicherheit, Kosten und Komfort. Ich habe deshalb in 2000 den Kangoo von Renault gewählt (mit Servolenkung und Servobremsen) und bin immer noch sehr zufrieden damit. Vor allem, weil ich als großgewachsener Mensch wirklich aufrecht und entspannt in ihm sitzen kann.

Klug war, dass ich mich für eine Klimaanlage entschieden habe. Im Alter sind angenehme Temperaturen noch wichtiger für die Sicherheit als in jungen Jahren. Und ich habe ihn auch in der Farbe "Postgelb", was ebenfalls viele praktische Vorteile hat. Man wird mit dieser Farbe gut gesehen und andere Verkehrsteilnehmer nehmen viel mehr Rücksicht.

Otto Buchegger mit seinem Seniorenauto Renault Kangoo

Als wesentlichen Nachteil sehe ich die etwas übersichtlichen Sichtverhältnisse beim Rückwärtsfahren an. Alte Menschen können die Köpfe nicht mehr so leicht nach hinten drehen, es würde sich also als Seniorenoption ein Videosystem (ein "Elektronischer Rückspiegel" und andere Einparkhilfen) für den Blick nach hinten anbieten, das heute sicherlich nicht mehr zu teuer ist und das man leicht in ein elektronisches Amaturendisplay integrieren könnte. Fürs Einparken tut es auch eine nachrüstbare, einfache, aber effektive Einpark- und Rangierhilfe.

Auch der CO2 Ausstoss ist nicht gerade vorbildlich. Der Renault Kangoo Baujahr 2007 1.2 16V 55kW / 75 PS mit einem Hubraum von 1149 cm3 hat einen CO2-Ausstoß von 163 g/km.

Angenehm sind auch die automatischen Schiebetürenöffner, die inzwischen angeboten werden. Der Kraftaufwand zum Öffnen dieser Türen ist groß, bei Schiebetüren spricht gar nichts dagegen, sie auf Knopfdruck zu öffnen. Und wenn man beide Hände voll hat, dann sind auch junge Mütter begeistert von diesem Feature.

Beim Autobau wussten die Franzosen schon immer besser als die geschwindigkeitsbesessenen Deutschen, was die Menschen wirklich brauchen. Und so hat mein Kangoo auch die Tanköffnung dort wo sie hingehört, nämlich auf der Fahrerseite. Und dass er bei Sicherheitstests gut abgeschnitten hat, ist auch für vorsichtige Senioren von Vorteil.

Ich habe hier den Kangoo mit seinen für mich wichtigen Eigenschaften beispielhaft als ein angenehmes Seniorenauto angeführt. Wenn es nicht zuviel mehr kosten würde, wären auch Standheizung und heizbare Sitze (dann kann man im Winter ohne den sperrigen Mantel fahren), ein drehbarer Sitz (für einfacheres Ein- und Aussteigen), sowie eine verschiebbare Ladefläche (zum einfacheren Beladen des Kofferraums), sprachgesteuerte Navigationssysteme, Einparkhilfen und Abstandswarner angenehm.

Seniorenfreundliche GPS - Autonavigationsgeräte

Neben einem akzeptablen Preis und zuverlässiger Wirkungsweise, soll das Navi vor allem bedienungsfreundlich sein, z.B.

TomTom Go 910 

Wer viel mit dem Auto reist, wird ein Navi unbedingt brauchen. Es reist sich damit viel entspannter, damit auch sicherer und es ist auch gut für den Frieden zwischen Fahrer und Beifahrer. Für Live Services muss man extra bezahlen, aber auch das rechnet sich für Vielfahrer, speziell wenn sie im Ausland unterwegs sind und die Sprache des Landes nicht verstehen!

TomTom Go 940 live

Für Arthrose (oder Arthritis) Patienten sind weitere Eigenschaften wichtig, z.B. das Weglassen eines Zündschlüssels (das Drehen der Hand ist eine Bewegung, die schmerzhaft und deshalb zu vermeiden ist).

Seniorennotruf im Auto

Obwohl die es heute gute Seniorenhandys gibt, würde eine Nottaste zusätzliche Sicherheit vermitteln. Damit könnte man leicht im Falle eines Unfalls oder Panne Hilfe anfordern.

Ideal wäre eine Mischung aus "Notrufsäule" und "CB-Funk" im Auto, mit der man gleichzeitig andere Autofahrer in der Umgebung, sowie auch Hilfsdienste aufmerksam machen kann. Mit neuer Handytechnik (Location Based Services) wäre dies leicht zu implementieren.

Andere Fahrzeuge werden sicherlich diese praktischen und ergonomischen Features übernehmen. Denn nicht nur für Senioren sind sie wichtig, auch junge Menschen, die ein Auto nutzen wollen und es nicht nur zum Angeben brauchen, werden sie genauso schätzen. Mein gleichaltriger Freund fährt z.B. einen Opel Meriva und ist damit auch zufrieden. Auch der Golf Plus hat das Zeug zum Seniorenauto!

Seniorenauto OPEL MERIVA

Ein immer noch nicht befriedigend gelöstes Problem ist die On-Board Toilette für ältere Autofahrer. Hier wäre echte Innovation notwendig. Denn die Ausstattung mit öffentlichen Toiletten ist vor allem in den deutschen Städten miserabel. Hier können sich viele Autofahrer mit dem Uri-Bag aber selbst helfen.

Die größten Probleme für Senioren beim Autofahren in Deutschland aber liegen außerhalb des Autos. Ein seniorenfreundliches Deutschland braucht unbedingt eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf 130 km/h auf Autobahnen, eine drastische Reduzierung des Schilderwaldes (der bestehende ist nicht mehr zu überblicken) und genügend Rastplätze mit Gratis-Toiletten. Erst wenn der Stress auf deutschen Autobahnen reduziert wird, können auch alte Menschen, solange sie genügend sehen, als "Mobile Senioren" am Verkehr partizipieren.

Autoverkäufer, spezialisiert auf Senioren als Kunden, könnten noch viel mehr als Fahrzeuge anbieten. Fahrtraining, Hilfe bei der Bedienung des Fahrzeugs, u.U. auch persönliche, diskrete Beratung, wenn man mit dem Selbstfahren aufhören sollte, wer gute, persönliche Unterstützung leistet, wird sich eines stets wachsenden Kundenstamms erfreuen.

Alten Image - Jugend Image

Gerade beim Auto wird immer viel mit "Image" argumentiert. In diesem Zusammenhang sollte man einmal die Lebensumstände von Studenten und Senioren vergleichen und man wird viele Parallelen feststellen, u.a. wenig Geld, viel Freiheit, beschränkte Dauer, Singledasein, wenig Platz, geringe Prestigesucht. Darum werden "Studentenimage" und "Seniorenimage" in der Praxis auch einige Parallelen aufweisen, die man für geschickte Vermarktung von Produkten ausnützen kann.

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Immer wieder werden Mobilitätshilfen (speziell Elektroautos) als Seniorenautos verkauft. Ein gutes Beispiel, dass die Hersteller das Seniorenmarketing noch nicht so recht verstanden haben.

Wer danach sucht, auf der Linkseite gibt es Adressen dazu.

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