seniorenfreundlich.de - Senioren besser verstehen

Ich bin ein ausgeglichener Mensch, so sagt man mir nach und ich kann meistens auf die rhetorische Frage, ob es mir gut geht, ohne zu lügen mit JA antworten. Aber ich hatte in meinem Leben viele Tiefpunkte, an denen es mir überhaupt nicht gut ging. Bis auf die Pubertät, wo dies eher normal zu sein scheint, aber habe ich dabei nie ganz die Freude am Leben verloren, war also nie suizidgefährdet, um es ganz deutlich zu sagen.

Wenn es meinen Alterskolleginnen und - kollegen heute ähnlich schlecht geht, dann sprechen sie gerne von Altersdepressionen. Ich denke aber, dies ist wirklich kein Krankheitsbild, sondern eine ganz normale Änderung in den Stimmungen, die von Ereignissen eingeleitet werden, die eben im Alter öfter vorkommen als in früheren Jahren, wie Schmerzen, Finanzsorgen, Sorge um die Zukunft, Sorge um die Familie, Verlust von wichtigen Menschen, Tieren oder Dienstleistern, Umgang mit schweren Krankheiten, Nebenwirkungen von Tabletten, Verlust von Selbständigkeit, um nur einige zu nennen.

Tübinger Erbe Lauf 2013

Aufwärmen für einen Stadtlauf. Einige Senioren waren noch dabei, aber für die meisten ist dies keine Alternative mehr.

Wenn die freudigen Erlebnisse seltener werden, dann lohnt es sie besser zu dokumentieren, damit man sie später wieder abrufen kann. Das kann mit einem Tagebuch geschehen oder mit einem speziellen Joy-Book, in dem man nur die freudigen Sachen aufschreibt. Heute kann man zusätzlich mit den Möglichkeiten der Digitalkamera Fotos oder Videos dafür einsetzen. Zu bestimmten Terminen, z.B. am Jahresende kann man dann mit anderen diese freudigen Ereignisse nochmals Revue passieren lassen.

Ich komme heute mit schlechten Ereignissen ganz gut zurecht und habe gelernt, ein Repertoire von Gegenmaßnahmen zu finden, die ich hier teilen will. Wie jede andere Medizin, so werden auch diese "Hausmittel gegen Depressionen", wie ich sie der Einfachheit halber nennen will, nicht für jeden gleich wirken. Aber man kann ja ausprobieren, was passt und es gibt bei ernsten, damit nicht lösbaren Problemen immer noch unser dichtes Netz an Ärzten und Psychotherapeuten, an die man sich dann wenden kann und auch soll.

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Licht, Sonne und Wärme

Helligkeit und Wärme erfreuen einfach die Seele. In der warmen Jahreszeit bekommt man genügend davon, wenn man sich viel im Freien aufhalten kann. Im Winter wird es dann schwieriger. Man muss sie dann suchen oder ihnen nach fahren. Finden kann man sie auch bei uns, z.B. in Bädern, von denen wir im reichen Deutschland viele haben. Besser noch scheint es mir, eine oder zwei Wochen in den Süden zu fliegen oder die Sonne in einem Winterurlaub in den Bergen zu suchen. So eine Änderung im Winter hat mir über viele Jahre geholfen, die dunkle Zeit viel, viel besser zu ertragen.

Ordnen und Aufräumen

Eigentlich ist es merkwürdig, dass diese Tätigkeiten dazu dienen, das innere Gleichgewicht wieder zu finden, aber es scheint tatsächlich vielen Menschen zu helfen. Nicht zu viel auf einmal, damit es keine Last wird. Aber ein bisschen Aufräumen oder eine Unordnung zu beseitigen gibt große Genugtuung und befreit. Und Gelegenheiten dazu wird jeder Haushalt bieten.

Körperpflege

Sich zu baden, die Nägel zu schneiden, mit Salben einzureiben, zum Friseur zu gehen, den Bart zu schneiden, das ist alles auch gut für die Seele.

Bewegung

Egal ob man dies nun in sportlicher Absicht oder einfach nur aus Lust an Bewegung macht, wer sich bewegt, bleibt nicht lange traurig. Optimal ist das Tanzen, denn es zwingt zu Konzentration und gemeinsam mit der Bewegung vertreibt es für kurze Zeit jeden Kummer und so haben manche meiner Mittänzerinnen festgestellt, auch lästige körperliche Schmerzen.

Musizieren

Glücklich ist, wer in jüngeren Jahren den Kontakt dazu gefunden hat. Wer Musik immer abgelehnt hat oder keine Gelegenheiten dazu hatte, für den wird es schwer sein, im Alter dies dann nachzuholen. Aktives Musizieren, dazu gehört auch das Singen, erfreut, belebt, sozialisiert und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden.

Musik hören und genießen

Für mich der Königsweg, um gute Laune zu gewinnen, übrigens mein ganzes Leben lang. Jetzt mit bald 70 ist es stark rhythmische Musik jeder Gattung, die mich erfreut, beschwingt und mich aus jeden Tief wieder rausholt. Dabei muss ich sie wirklich laut hören (mit Kopfhörern kein großes Problem mehr) und es ist schön, wenn sich jemand findet, der mit mir das Vergnügen teilt, aber absolut notwendig ist es nicht.

Viele alte Menschen lieben das Radio als Begleiter, das sie mit der passenden Musik und interessanten Informationen versorgt. Mit dem Internetangebot dazu ist die Auswahl heute riesig.

Kochen und Essen

Mit Essen ist schon mancher Kummer behandelt worden, leider dann oft mit großen, lange anhaltenden, nachteiligen Nebenwirkungen. Ich habe festgestellt, dass das Essen besser kontrollierbar bleibt, wenn man selbst und überwiegend für sich einkauft und selbst kocht.

Man weiß dann genau, was drinnen ist, kann die gefährlichen Inhaltsstoffe, wie Fett, Salz, Zucker geringer dosieren, die Portionen an den eigenen Bedarf anpassen, das Essen so rechtzeitig zubereiten, dass man nicht in Heißhunger verfällt. Kurz, man genießt mit eigenem Kochen das Essen mehr und die schädlichen Nebenwirkungen sind leichter vermeidbar. Und ein durchaus angenehmer Nebeneffekt ist, dass auch die Kosten für die Ernährung geringer werden, als wenn man immer nur auswärts isst.

Der kleine Luxus

Sich gelegentlich etwas gönnen, was man eigentlich nicht braucht, ist ein schönes Vergnügen. Sind es Gegenstände und soll die Freude daran lange anhalten, dann müssen es hochwertige Dinge sein, die man optimalerweise oft verwenden kann.

Ein gutes Beispiel sind für mich persönlich wirklich gute Küchengeräte, wie ich einige davon auf meiner Essen-Seite angegeben habe. Andere Menschen werden andere Interessen haben, aber auch für sie gilt, das Leben macht mehr Spaß, wenn man mit guten Werkzeugen arbeiten kann.

Es müssen nicht immer nur Dinge sein, die unsere Lebensqualität verbessern. Eine gute Tasse Kaffee in einem schönen und teuren Restaurant, einem Straßenmusiker länger zuhören und ihn dafür großzügig entlohnen, eine Massage, die man entweder einem Freund gibt oder von ihm entgegen nimmt, sie alle sind nicht wirklich notwendig aber der Luxus des Genießens fördert unsere Freude.

Die Wohnung neu ordnen oder renovieren

Der Klassiker für Frischgeschiedene, er hilft auch noch im Alter, wenn die Arbeiten daran nicht zu belastend für Körper und Geldbeutel werden. Oft kann man mit kleinen Umbauten, zum Beispiel einer stabilen Haltestange an der Badewanne, seine Lebensqualität drastisch verbessern.

Nicht nur Komfort, Seniorenfreundlichkeit oder gar Barrierefreiheit sind gute Ziele, manchmal wird man einfach nur Arbeitserleichterungen oder gar nur Abwechslung anstreben.

Reisen

Die willkommene Abwechslung für alle, die immer Freizeit und damit Urlaub haben können. Mit zunehmenden Alter ändern sich die Ansprüche. Anstrengungen werden gemieden, Sicherheit und Unterhaltung werden wichtiger.

Wer in jungen Jahren das Reisen gelernt hat, wird sich damit viel leichter tun. Die Ziele sind so verschieden, wie die Interessen und die noch zu erfüllenden Wünsche. Viele Reisen werden zu den Verwandten (z.B. den Kindern) gemacht, denn dann kennt man genau die Umstände, aber sie sind nicht immer befriedigend. Oft zu belastend, zu anstrengend. Andere wählen gerne einen vertrauten Urlaubsort. Auch dort kennt man dann die Umstände genau, blendet aber familiäre Konflikte aus.

Glücklich ist, wer passende Reisepartner hat. Erstens entscheidet man sich dann eher zum Fortfahren und zweitens hat man damit auch gleich passende Gesellschaft. Und es wird auch billiger und viel sicherer.


Irrwege - Drogen und Süchte

Auch im Alter spielen Drogen, wie Alkohol, eine große Rolle. Ihre negativen Wirkungen können sogar noch gravierender werden, weil es weniger Kontrolle durch die Umgebung gibt. Auch neue Formen der Sucht können dazu kommen. Der nahe Tod verführt Gläubige oft zu verstärktem religiösen Engagment, das extrem negativ werden kann.

Wenn man als Außenstehender sieht, dass sich Menschen in diese Abhängigkeiten begeben, dann sollte man durchaus abwägen, ob man diese Irrwege nicht einfach toleriert. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine nahe Verwandte, die schon uralt und blind ihren einzigen Trost im Alkohol gesucht hat. Ihre Angehörigen haben ihn ihr aber verweigert, weil er "ungesund" ist. Sie ist dann bald gestorben, wäre aber sicher glücklicher gewesen, wenn sie ihre tägliche Dosis bekommen hätte.

Süßigkeiten können ebenfalls ein ähnliches Problem darstellen. Auch hier sollte man durchaus abwägen, ob es wirklich so lohnenswert ist nur alt zu werden, oder ob man nicht das Produkt aus Alter und Lebensqualität optimieren soll.


Zusammenfassung

Aktivität ist wesentlich besser als Passivität. Kreatives Schaffen wirkt besser, als Kreatives zu genießen.

Es ist besser aus dem Haus zu gehen, als immer nur zuhause zu bleiben.

Körperliche und geistige Aktivitäten entweder kombinieren oder zumindest abwechseln.

Je mehr von unseren 5 Sinnen angesprochen werden, desto befriedigender ist das Erlebnis.

Gemeinsam ist besser als alleine.

Es ist nicht unsozial, Menschen, die überwiegend eine negative Ausstrahlung haben, aus dem Weg zu gehen.

Auch kurze Freuden können lange wirken.

Die Auffrischung der Erinnerung an Freuden, die kürzer zurück liegen, ist wichtiger als an jene, die schon lange vorbei sind.

Bei einem Erlebnis muss vor allem der Schluss immer gut sein! Denn dieser bleibt lange in Erinnerung. Sie ist oft wichtiger, als das Erleben selbst.

INHALT

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