seniorenfreundlich.de - Senioren besser verstehen

Keine Bange, hier wird nicht der x-te Versuch unternommen, medizinische Informationen für Senioren bereitzustellen. Dazu gibt es bessere Seiten im Netz und viel kompetentere Autoren.

Hier geht es um generelle Fragen, wie

Verfolgt man das Internetangebot für Ältere oder auch das Warenangebot von Seniorenshops, dann könnte leicht der Eindruck entstehen, Senioren sind nur noch an Gesundheitsfragen interessiert.

Aber dieser Eindruck trügt. Viele Senioren sind topfit und kümmern sich wenig um das Thema Krankheit. Und sogar kranke Menschen sind gar nicht immer an den Details ihrer Krankheit interessiert. Denn dieses Wissen belastet auch und es kann auch ganz objektiv dazu führen, dass diese Menschen dabei die wichtigste Motivation zum Gesunden verlieren, nämlich den Glauben, dass sie die Krankheit überwinden können.

Es ist ein bisschen so, wie mit den Selbsthilfegruppen. Wenn die Krankheit so verläuft, dass das frühe Ende unausweichlich ist, dann ist es viel klüger, mit ihr alleine und mit Hilfe des begleitenden Arztes (oder Pflegepersonals) zurechtzukommen, als zusehen zu müssen, wie die Leidensgenossen wegsterben, immer mit dem Wissen, einer der nächsten zu sein.

Tipps für die Gespräche beim Arzt, bei der Ärztin.

Im Bekanntenkreis rechtzeitig nach Erfahrungen mit dem Arzt fragen.

Fragen vorher notieren.

Alles sagen, nichts verschweigen.

Nachfragen und wichtiges notieren.

Brille mitnehmen und Hörgerät einschalten.

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Der Umgang mit Medikamenten für Seniorinnen und Senioren

Medikamente nur so einnehmen, wie sie vom Arzt verschrieben oder vom Apotheker empfohlen worden sind.

Medizin regelmäßig, solange wie verordnet und wenn möglich immer zum gleichen Zeitpunkt einnehmen, unabhängig davon, wie man sich fühlt. Änderungen nur nach Absprache mit dem Arzt.

Medizin in der Originalverpackung aufbewahren. Den Vorrat am besten kühl, trocken und dunkel, z.B. in einer Schachtel im Schlafzimmer lagern. Das Badezimmer ist dafür ungeeignet.

Brille aufsetzen und Licht anschalten, wenn man Medizin einnimmt. Tabletten immer im Stehen einnehmen, dann gelangen sie sicherer in den Magen.

Kleine Kinder beim Einnehmen nicht zusehen lassen. Sie ahmen alles nach und das kann bei Medikamenten gefährlich sein.

Große Pillen schluckt man viel leichter mit einem Schluck aus einer Flasche.

Unterschiedliche Pillen und Packungen, die ähnlich aussehen, selbst mit einem Filzschreiber so markieren, dass man sie leicht auseinander halten kann.

Zwei feste Plätze festlegen: Platz 1 vor dem Einnehmen, Platz 2 nach dem Einnehmen. Damit merkt sich besser, ob man die Medizin (ohne Angabe von Wochentag) schon genommen hat und es kann dies auch jemand anderer kontrollieren. Alte Menschen vergessen innerhalb weniger Minuten, ob sie die Medizin schon genommen haben. Am Abend dann wieder alles auf den Platz 1 zurückstellen.

Auf einem Dokument, das man im Ordner der Patientenverfügung ablegt, den genauen Einnahmeplan aufschreiben und Angehörige darüber informieren. Wird man z.B. vom Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert, dann braucht man diese Information und Rettungskräfte sind darauf trainiert, diesen Ordner mitzunehmen.

Abgelaufene und nicht mehr verwendete Medizin über den Hausmüll entsorgen und nicht die Toilette runterspülen. Am besten mit etwas unappetitlichem vermischt und in Zeitungspapier eingepackt, damit kein Missbrauch passiert. Deutsche Apotheken nehmen sie im Normalfall nicht zurück.

Ins Telefon vorsorglich die Notfallnummer für eine Medikamenten Vergiftung programmieren. Man findet sie über die Google Suche "Giftnotruf ORTSNAME".

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Ich habe keine Statistiken gemacht, aber wenn ich so meinen persönlichen Bekanntenkreis durchforste, dann ist ein signifikanter Teil der Menschen auch fortgeschrittenen Alters ganz wenig an gesundheitlichen Themen interessiert. Ausnahme sind die Kosten für die Behandlungen, speziell auch für Zahnersatz. Das Argument ist, sie werden sich doch nicht die kurze verbleibende Lebenszeit mit diesen sie so belastenden Themen konfrontieren lassen.

Diese Menschen gehen auch nicht zu Vorsorgeuntersuchungen und mir fällt auch nichts dazu ein, was sie dazu bewegen könnte. Vielleicht drastische finanzielle Vor- oder Nachteile. Es sind überwiegend Männer darunter, aber ich kenne auch einige Frauen, die den Gang zum Arzt meiden.

Wenn ich meine Motivationsgespräche für den Nutzen von Internet führe, dann führe ich gerne als Argument an, dass man sich über die seltensten Krankheiten im Netz informieren kann und dazu bald mehr wissen kann, als sein eigener Arzt. Wie oft höre ich dann die Antwort, das "will ich alles gar nicht wissen".

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Ein Problem beim Thema Gesundheit ist immer, dass es für vieles schon zu spät erscheint. "Ja, das hätte ich früher beachten müssen", oder "mir bringt das sowieso nichts mehr" sind häufige Repliken. Und wahrscheinlich haben diese Senioren gar nicht so unrecht. Denn selbst wenn die Einsicht kommen sollte, dass sie ihr Leben verändern müssten, dann ist es noch ein langer Weg zur tatsächlichen Veränderung. Die Gewohnheiten, die Traditionen in der Familie, der Druck in der Peergroup (ja, das gibt es nicht nur für Jugendliche), das Wissen über die genetische Veranlagung, sie alle verhindern es.

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Um Menschen zu motivieren, müssen sie einen Sinn in ihrem Handeln sehen und man muss in ihnen ein Gefühl entwickeln, dem sie folgen wollen. Welchen Sinn macht es, noch älter zu werden, wenn man darunter so leidet? Nur lange zu leben ist für viele deshalb nicht das wichtigste Ziel. Sie wollen lange und gut leben! Es kommt also nicht allein auf die Lebensdauer an, sondern auf das Produkt von Lebensdauer mit Lebensqualität.

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Das Gegenstück zu den Menschen, die sich nicht mit Gesundheitsfragen konfrontieren lassen wollen, sind die Hypochonder, Menschen die gerne krank sein wollen und die das Gesundheitssystem damit extrem belasten. Ich denke es sind im hohen Alter auch nicht viel mehr als in den anderen Altersstufen, aber jetzt haben sie Zeit ihr Hobby zu pflegen. Sie laufen in jede Weiterbildungsveranstaltung für medizinische Themen, häufen dabei viel Wissen, vielleicht auch nur Halbwissen an, spielen bei ihren häufigen Kuraufenthalten gerne den Hilfsdoktor, geben gerne medizinische Ratschläge, terrorisieren ihre Familie mit ihren Leiden und sind häufiger Gast in Krankenhäusern und Arztpraxen.

Oft sind sie ein Opfer der schlechten praktischen Ausbildung unserer Ärzte, ihre dicke Krankenakte hätte die Mediziner, würden sie nur genügend Zeit mit ihren Patienten verbringen, längst stutzig machen müssen. Um auf die Fragestellung am Anfang einzugehen, sie muss man nicht motivieren, für sie ist alles zum Thema Gesundheit und Krankheit interessant.

Als Antwort der Gesellschaft, die häufig für die hohen Kosten dieser Menschen aufkommen muss, erscheint mir die Wellnessbewegung eine interessante Alternative zu sein. Werden sie nur genügend gepflegt, gehätschelt und betreut, dann werden auch die Hypochonder glücklich und das Geld dafür geben sie auch gerne aus.

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Für alle anderen Gesellschaftsgruppen sehe ich folgende Schwerpunkte

  1. Wie kann ich meine Lebensqualität, mit meinen bestehenden Leiden, verbessern (Heilung, Linderung)?
  2. Wie kann ich dafür vorsorgen, keine weiteren Leiden zu bekommen (Prävention)?
  3. Wie kann ich die hohen Kosten meiner Krankheit senken?
  4. Wo finde ich einen guten, für mich passenden Arzt?
  5. Welche Versicherungen bezahlen im Alter zuverlässig und ohne Bürokratie? Wie kann ich mich seniorenfreundlich krankenversichern?
  6. Was ist gesunde Ernährung?
  7. Wie kann ich möglichst lange ohne fremde Hilfe und in meiner eigenen Wohnung leben?
  8. Wie kann ich mich und meine Angehörigen auf unausweichliche Situationen vorbereiten?

Ebenfalls interessant sind für viele Menschen, die Angehörige pflegen müssen, Hilfestellungen bei der Bewältigung der Krankheit. Wenn es um andere geht, reduziert sich die Scheu vor unangenehmen, medizinischen Themen stark. Sexualität scheint im Alter keine große Rolle mehr zu spielen.

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Kommt man nun von den Inhalten auf die Medien, dann steht das persönliche Gespräch absolut im Vordergrund. Die heute bevorzugten Seniorenmedien Zeitungen (z.B. BILD) und Fernsehen (z.B. RTL) können zwar Anregungen geben, aber sie dienen doch mehr der Unterhaltung als der Information.

Bevorzugt sehe ich beim Arzt die Verantwortung für diese Gespräche. Denn er kennt seine Patienten, vielleicht sogar noch die Familie und hat auch das notwendige Fachwissen. Aber es können auch andere dafür ausgebildete und vertrauenswürdige Personen, wie Apotheker und Pflegekräfte diese Beratung übernehmen.

Die Kunst bei diesen Gesprächen ist es nicht nur Fakten zu vermitteln, sondern auch dafür zu sorgen, dass die notwendigen Veränderungen im Lebenswandel stattfinden. Sie sind meist der schwierigere Teil in diesem Kommunikationsprozess.

Zum Beispiel genügt es nicht, fettärmeres Essen zu fordern, es braucht dann auch jemanden, der es herstellt, einkauft, kocht und immer wieder darauf achtet, dass es keine zu häufigen Rückfälle in altes Verhalten gibt. Es muss sich also nicht nur ein Individuum umstellen, sondern eine ganze Gruppe von Menschen.

Bei vielen gesundheitlichen Anstrengungen kann dies sogar zu einem Wandel in der Gesellschaft-Kultur führen, sollen sie erfolgreich sein. Ich erinnere an die periodisch wiederkehrenden Fitness-Wellen, die zum Teil sehr gute Nachwirkungen hatten, zuletzt das Nordic-Walking, das tatsächlich vielen Menschen geholfen hat, besser zu leben, auch mir.

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Welche Rolle kann nun das Internet als Medium spielen? Im Prinzip die gleiche, wie gedruckte Informationen, nur kann man jetzt die Daten wesentlich besser findbar, lesbar und aktuell halten. Im Detail allerdings unterscheidet sich das Internet doch wesentlich von anderen Medien und es ist ein häufiger Fehler, die Erfahrungen darin direkt auf das Internet übertragen zu wollen.

Man sollte bedenken, dass das Internet überwiegend ein Pull-Medium ist, und kein Push-Medium. Zur Erinnerung: Bei Pull-Medien muss man aktiv die gewünschte Information suchen (to pull = ziehen), wie z.B. auch bei einem Lexikon oder Buch, bei einem Push-Medium (to push = schubsen) wird man, hat man es erst einmal aktiviert, mit Informationen überschüttet und kann sich dann passiv verhalten, ohne den Medienkontakt zu verlieren, wie z.B. beim Radio oder Fernsehen. Verhält man sich beim Internet passiv, passiert gar nichts. Es sind also primär nur jene Informationen vermittelbar, nach denen Senioren suchen.

Begleitzettel zu Arzneipackungen (Gebrauchsinformationen) sind in der Praxis für schlecht sehende Senioren unlesbar. Am Bildschirm sind sie für viele besser lesbar, u.U. kann man sie sogar von Rechner vorlesen lassen, oder zumindest kann man sie in einer lesbaren Form ausdrucken.

Das Internet erlaubt auch Zugriff zu Datenbanken, mit vielen Informationen, die nicht nur der Arzt oder der Apotheker brauchen können, sondern auch der Patient. Für wichtige Fragen, wie billigere Arzneimittel, Nebenwirkungen und Arzneimittelverträglichkeit haben der Arzt oft keine Zeit und der Apotheker kein Interesse, hier kann sich auch der Patient selbst helfen.

Internet-Foren erlauben den Austausch von Informationen betroffener Patienten. Sie werden oft mit unglaublicher Offenheit geführt und sind so kein schlechter Ersatz für persönliche Gespräche. Internet-Apotheken gestatten neue Vertriebswege. Weil ihre Preise gut vergleichbar sind, können sie für Standardprodukte zu billigeren Arzneimitteln führen.

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Gesundheitliche Themen kann man leichter gebildeten Menschen vermitteln, als Menschen, die kein Interesse mehr an Neuem haben. Hoffnungslos erscheint es mir aber, Suchtkranke dafür zu gewinnen. Darum hat der Nichtraucherschutz in meinen Augen so große Bedeutung. Die Raucher hat man ohnehin schon verloren.

Nicht alle gesundheitlich relevanten Themen müssen als solche erörtert werden. Vieles kann man auch mit guten Beispielen oder nebenbei vermitteln. Zwei Beispiele, die mir persönlich am Herzen liegen sind viel Bewegung und genügend Trinken. So wie man als schlechtes Beispiel in den Medien keine Raucher zeigen sollte, so ist es durchaus angebracht, Menschen zu zeigen, die sich gerne bewegen und die genügend Wasser trinken.

Romane, Filme, Fernsehsendung können ebenfalls en passent nützliches Wissen über Krankheiten vermitteln. Ich erinnere mich gerne an den Film Rain Man, der viel zum Verständnis für Autisten beigetragen hat. Und da es in den Medien immer Modewellen gibt, erscheinen zur Zeit viele Bücher über Alzheimer.

Ein wichtiges Gesichtspunkt bei der Übermittlung von Gesundheitsthemen sollte die Realitätsnähe sein. Es wird immer Limitationen geben, die dazu führen, dass nicht jede Behandlung für jeden Patienten erreichbar ist. Den Eindruck zu erwecken, alle gesundheitlichen Probleme seien lösbar, ist falsch. Unser Leben ist endlich. Hat man intensiv genug gelebt, ist "satt vom Leben", wie es so schön heißt, dann mag es besser sein, auf vielleicht noch mögliche Behandlungen zu verzichten, seine Krankheit zu ertragen und früher zu sterben, als das Leiden weiter zu verlängern.

Wenn ich mich selbst frage, welchen Stellenwert gesundheitliche Themen bei mir einnehmen, dann ist die Antwort gemischt. Auf der einen Seite meide auch ich den Gang zum Arzt und beschränke mich auf Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Gesundheitssendungen im Fernsehen schaue ich mir meistens nicht an, weil ich insgesamt wenig fernsehe, ebenso lese ich kaum Journale, die sich damit beschäftigen. Aber ich habe im WS 2006/07 zwei Ringvorlesungen im Studium Generale der Uni Tübingen über "Alzheimer Demenz" und "Psychosomatik und Psychotherapie" gehört und ich informiere mich manchmal im Internet über Krankheiten, von denen ich bei Gesprächen höre.

Das Lernen neuer Verhaltensweisen muss als Investition in die Zukunft verstanden werden. Ältere Menschen haben weniger Zukunft, das stimmt, aber sie leben lange genug, um vom Wissen gesundheitlicher Zusammenhänge, vor allem von der Vermeidung möglicher Folgen ungesunden Verhaltens noch lange profitieren zu können.

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