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Viele Verpackungen von Konsumgütern sind nicht an die Bedürfnisse von Senioren angepasst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren- Organisationen (BAGSO) stellte auf ihrer Fachtagung "Senioren am Markt" die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung vor.

Befragt wurden 500 SeniorInnen über 55 Jahren. Fast die Hälfte hat mehrmals in der Woche oder sogar täglich Probleme beim Öffnen von Verpackungen. 71 Prozent bemängeln, dass die Öffnungsmechanismen (Aufreißfäden usw.) vieler Packungen nicht funktionieren. Spitzenreiter der Problempackungen sind in Kunststoff eingeschweißte Produkte (etwa Wurst, Käse). Dosenkonserven, Frischmilch und Kaffee bereiten ebenfalls enorme Schwierigkeiten. 78 Prozent der befragten SeniorInnen kritisieren die schlechte Lesbarkeit der Haltbarkeitsdaten. Probleme im Umgang mit Produkten des täglichen Bedarfs seien Hürden für eine möglichst lange selbständige Lebensführung, erklärte dazu die BAGSO.

Zugringdose, für Senioren kaum zu öffnen

Eine "Zugringdose"

Probleme machen Öffner aller Art, z.B. für Konservendosen. Ein besonders schlechtes, leider auch weit verbreites, Beispiel sind "Zugringdosen". Ohne Hilfsmittel sind sie für Senioren kaum zu öffnen. Die Zugring-Dosenöffner gibt es zwar als "Küchengerät" in den Seniorenshops, aber sie gehörten vor allem auch in Haushaltswarenläden (bestellbar bei www.walz-shopping.com als Dosen-Clou Best. Nr. 508.543.503). Mit ihnen gibt es keine verbogenen Messer oder Abbrechen der Fingernägel beim Öffnen mehr. Da sie preiswert sind, wären sie auch ein schönes Seniorengeschenk für seniorenfreundliche Kaufhäuser oder z.B. für Hersteller von Tierfutter in Dosen.

J Popper oder auch Dosen Clou von Brix Design

J-Popper, Öffner für Dosen mit Zugring

Im Original heißt dieser Zugringdosenöffner J-Popper (for ring-pull cans) und er kommt aus Dänemark von der Firma Brix-Design. Von Brix Design gibt es auch den sehr guten Deckelöffner JarKey (wörtlich übersetzt heißt dies Gläser - Schlüssel), speziell für alle Vakuumgläser.

JarKey Deckelöffner von Brix Design

JarKey Deckelöffner von Brix

Dieser Deckelöffner erspart in vielen Fällen die viel größeren Küchenhilfen, von denen ich eine in den USA weitverbreitete Version gleich unten zeige. Der Jarkey Trick besteht darin, das Vakuum in den Gläsern aufzuheben, dadurch lassen sich die Deckel leicht drehen und ganz leicht öffnen und selbstverständlich auch wieder dicht verschließen.

Küchenhilfe aus den USA

Ein praktisches Kombinationsgerät zum Öffnen für Schraubkappen- und Kronenkorkenflaschen, Konservengläser und Getränkedosen ist der preiswerte  Westmark "4 in 1" Kombiöffner. Er ersetzt den Jar Key, hilft aber auch bei den meist schwierig zu öffnenden Schraubkappenflaschen und bei Getränkedosen. Ein anderes Produkt ist der Rösle Multifunktionsöffner.

Westmark 4 in 1 Kombiöffner

Aber auch für Weinflaschen machen Probleme. Für Weinflaschen gibt es aus Holland ein empfehlenswertes Gerät, den CLASSIC (Korkenheber mit Kapselschneider) von BRABANTIA - SOLID COMPANY, der auch in Deutschland in den Fachgeschäften erhältlich ist. Seniorenfreundlicher sind allerdings gleich Flaschen mit Schraubverschluss!

Seniorenfreundlicher Korkenzieher

Brabantia Korkenheber

Der für mich beste Dosenöffner kommt von den Silit-Werken aus Riedlingen, es ist der Profi Dosenöffner, der sich auch in meinem Privathaushalt gut bewährt hat. Leider ist die Bedienungsanleitung nicht seniorenfreundlich. Man sollte sich das Gerät beim Kauf erklären lassen, sonst wird man damit kaum zurecht kommen. Aber kann man damit umgehen, wird man begeistert sein. Eine Alternative ist der Lurch Dosenöffner.

Seniorenfreundlicher Dosenöffner

Silit Dosenöffner

Ein sehr seniorenfreundlicher Nussknacker, den es in ähnlicher Form von verschiedenen Firmen gibt, eignet sich auch zum leichten Öffnen von Plastikdrehverschlüssen (z.B. bei Mineralwasserflaschen, die unter Druck stehen) oder auch von Sektflaschen.

Seniorenfreundlicher Nussknacker

Empfehlenswerter Nussknacker

Nussknacker eignen sich nicht für Haselnüsse, wenn die kleine Öffnung zu groß ist. Folgende Form gibt es in vielen verschiedenen Modellen, aber man achte auf die Größe der kleinen Öffnung.

Einfacher Nussknacker, auch für Haselnüsse

Diese Nussknacker Form ist beliebt, weil sie sich gut für Haselnüsse eignet

Deckel für Dosen und Gläser, wie man sie im Alltag oft vorfindet, sind ebenfalls problematisch. Gut und seniorenfreundlich sind sie meistens, wenn man sie mit einer Hand leicht bedienen kann.

Dosendeckel

Der linke Stülpdeckel mag zwar besser schließen, aber er ist schlecht in der Handhabung. Der rechte ist wesentlich leichter zu bedienen, selbst mit einer Hand! Interessant ist, dass der seniorenfreundliche Deckel das ältere Modell ist, das man aber nicht mehr kaufen kann. Wahrscheinlich hat man mit dem neuen, einfacheren Modell einen Cent gespart, aber die Senioren als Kunden dabei vergessen.

Bei Plastikdeckeln von Gläsern, z.B. Senfgläsern, kann man sich Erleichterung schaffen, in dem man die Ränder mit dem Messer ein- oder mehrmals einschneidet. Danach sind sie dann zwar nicht mehr ultradicht, aber handhabbar.

Schraubverschluss, mit weiterer Sicherung. Ohne Messer für Senioren nicht zu öffnen.

Der obige Schraubverschluss einer Milchpackung ist ohne Messer für Senioren nicht zu öffnen. Sicherlich ist die Sicherung einer Verpackung eine absolute Notwendigkeit, aber dass es auch seniorenfreundlich geht, zeigt die vorbildliche Verpackung der "Landliebe"-Milch, die ebenfalls gesichert ist und die sogar dicht schließt, wenn man die Verpackung schon einmal geöffnet hat.

Vorbildlicher Schraubverschluss einer Milchpackung.

Ein großes Ärgernis sind manche Verpackungen von Kleinteilen. Bevor man sich mit dem falschen Werkzeug verletzt, ein gute, stabile Haushaltsschere (z.B. von WMF) ist meist der einfachste Weg, um an den Inhalt zu kommen.

Empfehlenswerte Haushaltsschere von Silit

Haushaltsschere

Diese Sichtverpackungen (auch Blisterpackungen genannt) sind übrigens aus Seniorensicht ein echtes Übel (sehr große Verletzungsgefahr, viel Müll), so praktisch sie für den Handel auch sein mögen. Da ich ihren Inhalt oft nach dem Aufschneiden in Ziplock Taschen umfülle, frage ich mich, warum man sie nicht gleich als Ziploc Verpackung verkauft (in Deutschland auch Zipper genannt, ein Produkt von Toppits. Jeder Flugreisende kennt diese Tüten, weil man darin die Flüssigkeiten des Handgepäcks aufbewahren und vorzeigen muss).

Kann man diesen Weg nicht gehen, dann würde ich mir einen stabilen Aufreißfaden, mit einem Ring daran, wünschen, mit dem man diese Blister ohne Werkzeug öffnen kann. Hier, liebe Verpackungsindustrie, ist dringender Handlungsbedarf!

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Gemessen an der Bedeutung und an den vielfältigen Anforderungen in Bezug auf Verpackungen ist es klar, dass diese immer einen Kompromiss darstellen werden müssen. Aber bei allen Parametern sollten die Designer und Hersteller auch die Kunden nicht vergessen. Es wird zwar immer wieder von "Convenience" gesprochen, aber oft denke ich, alte Menschen werden einfach oft nicht zum Kundenkreis gerechnet.

Optimale Tasche für Lenker und Senioren von dm

Eine sehr praktische, kleine Einkaufstasche von dm. Passt leer in jede Hosentasche und stört nicht am Fahrradlenker! Nur einmal bezahlen, wenn sie kaputt wird, tauscht man sie als Pfandtasche gratis um! Sehr seniorenfreundlich!

Es gibt genügend Literatur für die Experten, die sich informieren wollen, was die Anforderungen in Bezug auf die speziellen Einschränkungen bei Senioren sind. Dass dieses vorhandene Wissen nicht eingesetzt wird, muss also andere Gründe haben. Ich vermute, dass es u.a. eine Mischung aus Ignoranz und Angst vor dem Kontakt mit Alten ist.

Ich kann mit diesem Beitrag sicher nicht viel dazu beitragen, dass die Welt der Industrie sich mehr um das Wohl der Alten kümmert, aber vielleicht kann ich wenigstens einen Gedanken weiterverbreiten: Nämlich Senioren als Testpersonen für die Akzeptanz von Produkten einzusetzen.

Wer routinemäßig alle seine Produkte auch von Menschen über 60 testen lässt und sie dabei beobachtet, wird genügend Feedback bekommen, welche Schwierigkeiten diese damit haben. Besonders im Konfliktfall mit kindersicheren Verpackungen ist dies wichtig, z.B. bei Medikamenten! Um zu vermeiden, dass Kindersicherungen (z.B. bei Reinigungsmitteln) dazu führen, dass auch Senioren diese Produkte nicht mehr verwenden können, könnte man für Haushalte mit Kindern zusätzliche Sicherungen anbieten (z.B. zum Aufschrauben), die man dann einsetzt, ähnlich wie bei Stromsteckdosen, die man ja auch extra für Kinder absichert.

Als Testpersonen sollte man unbedingt auch Arthrose Patienten nehmen. Sie sind mit ihren abgenutzten Gelenken besonders empfindlich gegen manche Bewegungen der Hand. So kann ich z.B. selbst noch fest zugreifen (und habe noch keine Arthose), aber auch ich kann nur unter Schmerzen einen Locher bedienen, einen Deckel drehen oder eine Zugringdose aufmachen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wiederverschließbarkeit. Besonders wenn die Inhalte der Packungen groß sind, kann nicht alles auf einmal verbraucht werden und man sollte die Möglichkeit des einfachen Wiederverschließens haben. Selbst Single-Portionen, für Senioren oft der Normalfall, können immer noch zu groß sein.

Das gleiche gilt für die Dosierbarkeit. Hier ein Vergleich von 2 Shampoo - Flaschen. Beide haben etwa den gleichen Verschluss, aber beim rechten Produkt kommt meist das Vielfache von dem heraus, was man braucht. Die Öffnung ist viel zu groß. Kurzfristig mag dies den Umsatz erhöhen, aber ich habe mich von diesem Produkt getrennt.

Öffnungen von Shampoo Flaschen

Öffnungen von Shampoo Flaschen

Will man den Inhalt beibehalten, dann füllt man ihn in eine besser zu dosierende Flasche um. Ich habe mit den Spülmittelflaschen (von ALDI) damit beste Erfahrungen gemacht.

Dosier - Flasche

Optimale Dosierflasche (vorher für Spülmittel)

Enorm wichtig ist auch das Gewicht der Verpackung. So sind die Glasmehrwegflaschen für Alte ein Horror. Das Gewicht des Glases muss zweimal getragen werden! Viele alte Menschen verfügen über kein Auto mehr und aus dem Grund muss die Verpackung leicht und einfachst zu entsorgen sein, z.B. über den Gelben Sack (des Grünen Punktes).

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Überreicht man die hier angegebenen Hilfen als Geschenke für Senioren, dann muss man gleich auch die entsprechende Dose oder Flasche mitschenken und damit dem Beschenkten die Funktionsweise erklären. Erst wenn er oder sie es selbst ohne fremde Hilfe benutzen kann, macht es Sinn. Ansonsten wird das neue Gerät nur unbenutzt herumliegen!

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Gerne wird von deutschen Verbraucherorganisationen das Kleingedruckte auf Verpackungen kritisiert. Dabei sind sie selbst oft sogar die Ursache für dieses Problem, weil gutgemeinte Gesetze den Firmen zuviel vorschreiben, was aufgedruckt werden muss und für andere wichtige Daten, wie Haltbarkeit, Lagerung oder Kochdauer kaum noch Platz bleibt. Die Antwort ist also nicht nur das in Deutschland übliche Anprangern von Firmen, sondern den unendlichen Platz im Internet für jene Details zu nützen, die nicht wirklich auf der Packung stehen müssen.

Fast alle unsere Produkte haben im Barcode die Europäische Artikel Nummer EAN, mit der müsste es doch leicht möglich sein, eventuell zusammen mit der Firmenhomepageadresse (URL), alles Notwendige über ein Produkt zu erfahren. Handybesitzer können dies schon alleine mit dem Barcode machen, nämlich mit BARCOO. Ich bin sicher, die meisten Firmen würden bei diesem Vorschlag gerne mitmachen, denn auch sie sehen die Kunden als Partner und nicht als Gegner.

Man müsste also die Vorschriften so ändern, dass nur URL und EAN deutlich anzugeben sind, dann bleibt auch noch Platz für das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) und andere wichtige Verbraucherdaten, wie Kochdauer oder Lagerung. Ziel muss sein, dass sie alle auch ohne Brille oder Lupe von der überwiegenden Anzahl von Seniorinnen und Senioren gelesen werden können, d.h. mindestens 16 Punkte gross sind. Auch die Beipackzettel von Medikamenten sind Kandidaten für ein Duplikat im Internet.

Die ebenfalls gerne geführte Diskussion über eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, halte ich für Senioren irrelevant. Sie mag für Kinder und andere Analphabeten richtig sein. Alte Menschen wissen, was ihnen gut tut und was ihnen schadet. Und wer schon dement ist, der hat auch von den Ampeln nichts.

Positiv hingegen ist die Freigabe der Verpackungsgrößen, sie wird helfen, dass es mehr Singleangebote gibt und weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Dass jede Freiheit auch für versteckte Preiserhöhungen genutzt wird, ist immer nur ein vorübergehendes Problem für Senioren. Sie vergleichen genau genug und zwingen mit der Wahl von Konkurrenzprodukten leicht auch Marktführer in die Knie! Wie heißt es so schön in einer Marktwirtschaft: Die Firmen haben die Freiheit die Preise zu erhöhen, aber genauso haben die Kunden die Freiheit, sie nicht zu kaufen!

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