Erfahrene Senioren lieben Notebooks. Denn diese brauchen wenig Platz, der vor allem in Heimen nicht mehr vorhanden ist. Allerdings muss das Notebook eine helle Tastatur haben. Wer hat sich bloß diese dunklen Farben ausgedacht, die für sehschwache Menschen ein echtes Problem darstellen! Es gibt im Seniorenfachhandel Tastaturaufkleber für Computer, um dieses Problem zu entschärfen. So wie bei den alten mechanischen Schreibmaschinen kann man dann Großbuchstaben, die die ganze Fläche einer Taste ausnutzen, sehen. Wer mit dem Computer viel arbeitet, sollte sich eine spezielle Brille dafür zulegen. Gleitsichtbrillen und Lese- (Halb) Brillen sind ungeeignet. Die Brillen müssen für die feste Distanz zwischen 50 - 70 cm und ein Gesichtsfeld in Bildschirmgröße optimiert werden. Das spricht auch für nicht allzu große Bildschirme, obwohl häufig das Gegenteil behauptet wird. Der Schirm darf nicht spiegeln! Ich bin stets entsetzt, welch unnatürliche Kopfhaltung Senioren mit Gleitsicht- oder Halbbrillen einnehmen müssen, wenn ich Fotos von Senioren am Rechner sehe. Ich verwende übrigens einen 15 Zoll Schirm und finde ihn optimal! Das größte Hindernis im Umgang mit dem Computer ist die Maus. Vor allem der Doppelklick ist nahezu undurchführbar. Dabei ist die Lösung dazu sehr einfach: es muss das Positionieren vom Klicken getrennt werden. Dies ist bei vielen Notebooks Touchpads der Fall. Dann kann man den Cursor an die richtige Position fahren und mit den Tasten klicken. Hat man nur eine Maus zur Verfügung, dann wird - ohne Training - die Maus permanent beim Klicken bewegt und es kommt zum chaotischen Navigieren. Inzwischen gibt es eine spezielle Seniorenmaus, die auch bei starkem Tremor noch funktioniert, allerdings zu einem stolzen Preis (Details). Ich habe sie selbst noch nicht ausprobiert, aber sie scheint mir alle technischen Anforderungen zu erfüllen. Hilfreich wäre da auch eine spezielle Seniorentastatur. Die helle Cherry Kompakt-Tastatur G84-4100 würde eine ideale Grundlage dazu bieten. Man müsste nur die Buchstaben sehr viel größer machen und statt der beiden Windowstasten eine Klicktaste (links) und eine Doppelklicktaste (rechts) einführen.
Von diesen wenigen speziellen Hardwareanforderungen abgesehen, ist jeder normale Computer auch ein Seniorencomputer. Die Unterschiede liegen nicht in der Hardware oder in der Software, sondern ganz wo anders, nämlich im Service bei speziellen Fragen und Anlässen, in der Schulung und Beratung, in der Hilfestellung vor Ort und schließlich im Preis. Es sind also nichttechnische Faktoren, vor allem die Beratung, die einen Computer seniorenfreundlich machen und nicht die technischen Details.
Zur Beratung gehört auch, "was man alles mit dem Computer machen kann". Es ist für Laien völlig unklar, was mit heutiger Hardware und Software möglich ist. Idealerweise besucht man dazu Kurse vor dem Kauf eines eigenen Rechners, denn unter Umständen wird man bei der Ausstattung auf die Anwendungen Rücksicht nehmen müssen. Anlässlich solcher Kurse (z.B. an einer Volkshochschule) kann man dann auch probeweise versuchen, ob man Maus und Tastatur überhaupt noch bedienen kann. Wenn nicht, wird auch der Computer nur zum Staubfänger oder degeneriert zur Schreibmaschine. Ein Medium, das die Senioren gerne annehmen, ist das Fernsehen. Es könnte nicht nur Kochkurse anbieten, sondern besser darauf hinweisen, was man mit Computern machen kann und für schon fortgeschrittene Senioren preiswerte Weiterbildung anbieten. Gerade die Kombination Fernsehen - Internet ist prima geeignet, viele dieser hier angesprochenen Probleme für unsere Gesellschaft befriedigend zu lösen. Senioren sind nicht sehr schulungswillig und sie lernen sehr viel langsamer. Da Zeit Geld kostet, muss man Wege finden, wie sie sich selbst schrittweise weiterbilden können. Will man die Kosten für ihr Training nicht zu hoch werden lassen, dann sollten kritische Operationen, die nur einmal vorkommen, wie z.B. die Installation von neuer Software, lieber gegen Bezahlung von Fachleuten gemacht werden.
Es ist für die meisten Senioren viel effektiver in der Gruppe zu lernen, als alleine und es ist auch angenehmer. Wer also Training für Senioren anbietet, sollte es für eine gleichaltrige Gruppe mit ähnlichem Wissensstand versuchen. Lediglich Senioren, die dabei Gesichtsverlust fürchten, "weil man sich blöd anstellt", werden lieber ein Einzeltraining haben wollen. Als wichtigste Anwendung wird sich auch für Senioren der Zugriff zum Internet erweisen. Die Installation eines Computers muss also immer gleich auch die entsprechenden Telekommunikationseinrichtungen umfassen. Ein Rechner, der nicht am Netz hängt, ist heute fast so sinnlos, wie einer, der nicht bedient werden kann.
Die Politik hat die Bedeutung der Computer für Senioren erkannt und unternimmt Anstengungen, mehr Seniorinnen und Senioren für die neuen Möglichkeiten zu begeistern. Die Vorteile sind für die "Wissenden" gewaltig und umgekehrt werden alle, die sich den neuen Möglichkeiten verschließen, ins Abseits gerückt. Ich bezeichne es gerne provokativ als den neuen Analphabetismus, der uns dadurch drohen kann. Als Übergangslösung werden vielleicht digitale Dienstleistungzentren oder der immer wieder zitierte "Enkel" hier den Alten helfen können, bis eine nachrückende Generation ganz selbstverständlich auch mit den Rechnern vertraut sein wird. Als Trennlinie für die Computerakzeptanz wird immer noch der Geburtsjahrgang 1955 angegeben, 60 bis 80 Jahre dazu gezählt ergibt 2015 - 2035, erst dann wird das Problem behoben sein.
Strategische ÜberlegungenComputer werden bei der Altenbetreuung eine viele größere Rolle spielen, als wir es uns heute vorstellen können. Es sind vor allem die Unterhaltungs- und die Kommunikationsaspekte, die immer wichtiger werden und die es den Alten möglich machen werden, sich selbst und untereinander zu helfen. Es ist daher unabdingbar, dass Seniorinnen und Senioren mit Computern und Netzwerken, aber auch mit anderen technischen Geräten z.B. der Unterhaltungsindustrie, umgehen können. Bei immer länger werdenden Lebenserwartungen lohnt es sich, die immer noch vorhandenen Vorurteile ("das brauch ich nicht mehr") zu überwinden. Es ist von großer strategischer Bedeutung für Volkswirtschaften, die "Computer Literacy", die "Fähigkeit mit dem Computer umgehen zu können" kontinuierlich weiter zu entwickeln. Die Politik redet zwar viel über den "Demografischen Wandel", aber sie könnte wesentlich mehr machen und nebenbei gesagt, auch damit wieder Wähler gewinnen. In Deutschland könnte sich vor allem die Piratenpartei, mit großem Internet- Wissen in ihrer jungen Mitgliederschaft, mehr engagieren. Ich wundere mich immer noch (2009), dass findige PC-Händler nicht schon längst gute SeniorenPCs vermarkten. Gerade kleinere Händler in Großstädten hätten damit eine prima Geschäftsidee für den Seniorenmarkt oder zumindest ein zuverlässiges Zusatzgeschäft.
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© 2009 Otto Buchegger Tübingen
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