| Wer hier ausschließlich ein Plädoyer für eigene
Seniorenparteien erwartet, wird enttäuscht werden. Ich halte wenig von Single-Issue
Parteien, der Platz für die Senioren ist in den Volksparteien, sind es nun die CDU/CSU
oder die SPD oder in der kleineren Fraktion der LIBERALEN. Parteien wie die GRÜNEN, die
mit ihrer "Generationengerechtigkeit" den Alten offen den Kampf angesagt haben,
zu wählen, dafür muss man schon sehr senil sein. Eigene Seniorenparteien würden zu stark polarisieren und damit eher zur Verhinderung von Problemlösungen beitragen. In unserer komplexen Gemeinschaft ist Kooperation wichtiger als Konfrontation. Diese Situation könnte sich allerdings ändern, wenn die Volksparteien konsequent nicht in der Lage sind, die Belange alter Menschen gut zu vertreten.
Alle radikalen Parteien, ob jetzt Linkspartei oder Rechtsradikale, sind für Senioren schlecht, denn sie gefährden wichtige Werte wie Frieden, Sicherheit oder Stabilität, also werden vernünftige Menschen sie auch nicht wählen, auch nicht, wenn sie ihren Protest damit ausdrücken könnten. Dass sie trotzdem immer wieder auch von Alten gewählt werden, hat vor allem nostalgische Bedeutung. Ich kann sie verstehen, die Erinnerungen an die Jugend, die Träume von besseren Menschen und Zeiten, sie werden eben gerne weitergeträumt, und die erlebte Realität wird dabei total vergessen. Auch hier ist der Hinweis auf Senilität angebracht. Politisch ist dies kein großes Problem. Wir können in einer lebendigen Demokratie mit einigen "Ewiggestrigen" gut zurecht kommen. Besonders schlecht sind für Seniorinnen und Senioren Parteien, die keine Rücksicht auf wirtschaftlichen Erfolg nehmen. Preis- und Währungsstabilität sind notwendig, soll die Rente ihre Bedeutung behalten. Da wir heute im wesentlichen vom Ersparten leben müssen und nur noch wenig neu dazu verdienen können, ist es nicht nur relevant, sondern lebensnotwendig, keine signifikante Inflation zu haben und Rechtssicherheit mit den Verträgen zu haben, die wir abschließen mussten, um für das Alter vorzusorgen. Ebenfalls wichtig ist es, Zukunftsperspektiven zu schaffen. Systeme, in denen sogar die Jungen Zukunftsangst eingeimpft bekommen, sind auch schlecht für alte Menschen. Leider sind gerade die Deutschen dafür sehr anfällig und ihre Bereitschaft sich über alles und jedes Sorgen zu machen, wird immer mehr zum Problem. Aber wenn es kein Risiko für Zukunft gibt, dann geht es schnell bergab. Wenn nur noch die Verhinderer Gehör finden, dann können wir uns alle begraben lassen. Lebendigkeit braucht den Wandel. Natürlich hätten die Alten gerne eine Maximalversorgung, aber ich denke eine Optimalversorgung tut es auch. Für viele von uns ist es wichtiger, dass es möglichst vielen in der Gesellschaft gut geht, als nur den Alten. Denn wir alle haben auch Kinder und Enkelkinder, deren Schicksal uns genau so wichtig ist, wie unser eigenes. Dass wir aber für unsere lebenslange Arbeit nicht betrogen werden, das ist doch selbstverständlich. Wichtig erscheint mir ein flexiblerer Übergang als heute in den Ruhestand. Es müsste möglich sein, individuelle Sonderlösungen zu finden, die sowohl die Frührente, wie auch Weiterarbeiten bis ins hohe Alter ermöglichen. Dazu gehört auch ein Modus, der es ohne Gesichtsverlust erlaubt, im Alter weniger anstrengende und einfachere Arbeiten übernehmen zu können. Hier ist gerade noch in Deutschland ein langer Weg zu gehen, vor allem auch im Bewusstsein der Menschen, aber auch in den Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen muss und kann. Ein Blick ins Ausland (z.B. Japan und USA) ist hilfreich dabei. Der deutsche Weg heute, mit unmenschlichen Anstrengungen bis zur Rente und dann in die totale Bedeutungslosigkeit, ist sowohl ungesund, wie auch volkswirtschaftlich nicht vertretbar. Ein schrittweiser Rückzug aus dem Erwerbsleben wäre wesentlich menschlicher.
Seniorenfreundliche Politik ist für mich innere Stabilität und Frieden. Wirtschaftlicher Erfolg und positive Zukunftsorientierung. Flexibles, pragmatisches Handeln ohne Ideologie. Gute freundschaftliche Kontakte zu unseren Nachbarn in Europa, besonders zu denen, in deren Ländern wir auch gerne Urlaub machen und die uns kulturell nahe stehen. Seniorenfreundliche Politik, das ist auch die Förderung von Mobilität. Kein Stress mehr auf der Autobahn, durch generelles Tempolimit (auf 130 km/h), eine wesentlich höhere Toilettendichte in öffentlichen Räumen als heute, Zugverbindungen mit möglichst wenig Umsteigepunkten, Billigflieger zu den sonnigen Ferienzielen. Seniorenfreundliche Politik, das sind Krankenkassen, die sich Alte auch noch leisten können, stabile Renten und vorherplanbare Altersversorgung. Seniorenfreundliche Politik, das ist aber auch Förderung von Innovation, vom Telefon für Senioren bis zu besseren Wohnmöglichkeiten, die das Zusammenleben auch noch im Alter gewährleisten können. Also nicht nur technische Innovation, die den Alten das Leben erleichtert, sondern auch kulturelle und soziale Innovationen, die mindestens ebenso wichtig sind. Viele Veränderungen oder auch nur simple technische Produkte sind nur durch politischen Druck erreichbar. Das muss gar nicht spektakulär ablaufen. Es genügt schon oft die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt zu stellen. Jeder Politiker, der eine Messe, Show oder Ausstellung eröffnet, braucht doch nur laut und gezielt nach den Seniorenangeboten fragen und sich diese zeigen lassen. Wer dies nicht tut, der sollte auch von Senioren nicht mehr gewählt werden. Welche der Volksparteien sind nun die besten Vertreter der Belange der Senioren? Ich werde hier keine Empfehlung abgeben, denn die politische Formung durch ein langes Leben wird ohnehin den Ausschlag dafür geben, wo das Kreuzchen in der Wahlkabine hingesetzt wird. Alte Menschen wechseln ohnehin kaum noch die Partei ihres Vertrauens. Aber soviel, dass man seine eigenen Feinde nicht (mehr) wählt, dazu kann auch ich sicher raten. Und dass man unfähige Politiker abwählt, auch wenn einem Parteibuch sympathisch wäre, das gilt auch für Senioren. Die ewige Ausrede, dass es andere nicht besser machen würden, passt schlecht in einer flexiblen Demokratie. Wer so denkt, hat die Zukunft mit einer Hoffnung auf Besserung schon abgeschrieben. Eine wichtige Aufgabe für Senioren sehe ich in der eigenen Mitgestaltung der Politik. Unsere viele Zeit und die lange Lebenserfahrung sollte besser genutzt werden. Warum nicht auch für politische Aufgaben? Zum Beispiel in der Lokalpolitik, das wäre doch für einige Alte eine schöne und befriedigende Aufgabe. Mitgestaltung war immer noch der beste Garant dafür, dass eigene Interessen nicht übersehen werden.
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© 2009 Otto Buchegger Tübingen
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