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Schon mit 40 treten auch bei Normalsichtigen Sehprobleme auf und die erste Brille wird fällig. Sie bedeutet einen großen Einschnitt in die Lebensqualität der Betroffenen. Lange Zeit versuchen die Menschen deshalb immer wieder ohne Brille auszukommen, obwohl sie sich dabei schaden.

Umgekehrt, wer diese Menschen mit visuellen Botschaften erreichen will, sollte nicht annehmen, dass sie eine Brille tragen, obwohl sie sie nötig haben. Zwei Hauptfehler werden nach meiner persönlichen Erfahrung bei der visuellen Präsentation besonders häufig gemacht.

    1. Die Schriften sind zu klein.
    2. Die gebotenen Szenen sind zu dunkel.

Der erste Punkt ist zwar allgemein bekannt, aber wird trotzdem gerade auf Verpackungen immer wieder vernachlässigt. Der Grund ist, dass soviel Unnötiges angegeben werden muss, dass für die wichtige Information (z.B. Kochdauer) nicht mehr genügend Platz bleibt.

Der zweite Punkt scheint aber völlig unbekannt zu sein. Denn anders kann ich mir nicht vorstellen, dass Szenen in Filmen, in Theater, Darstellungen in Museen häufig in Halbschwarz angeboten werden. Wer dies macht, kann sie ebenso weglassen. Sie werden von älteren Menschen nicht mehr wahrgenommen. Junge Regisseure und Museumsleiter, wenn ihr gegen diese Regeln verstoßt, kommt das Seniorenpublikum nicht mehr zu euch!

Dazu gehören auch schwarze Hintergrunde, z.B. auf Internetseiten oder in Illustrierten. Sie werden abgelehnt. Ebenso sind Fahrpläne und Hinweisschilder im Halbdunkel nicht mehr wahrnehmbar, auch nicht mit passender Brille.

Auch zu schnelle optische Reize überfordern die Senioren. Der MTV-Stil begeistert nur Jugendliche, alte Menschen ermüden dabei so schnell, dass sie abschalten und nichts mehr wahrnehmen.

Video "Sehen und Übersehen - wie kommen Bilder ins Gehirn?"

Meist kann man mit ganz einfachen Mitteln den Senioren Erleichterung bei ihren Sehproblemen bringen, mehr dazu auf der Seite Seniorenfreundliches Sehen.

Bei den akustischen Reizen gilt ähnliches. Bekannt ist, dass man mit älteren Menschen etwas lauter reden sollte. Aber ebenso wichtig ist, dass man langsamer mit ihnen redet und auch Redepausen einlegt. Hier wird fast immer gesündigt und keine Rücksicht auf die Seniorenbesonderheiten genommen.

Aber auch nicht toleriert wird zu große Lautstärke, z.B. bei Konzertmusik. Ebenso störend sind Nebengeräusche, die nicht mehr weggefiltert werden können. Die Umgebung sollte also eher ruhig sein und der Pegel darf nie extrem sein, sondern nur etwas lauter als der Durchschnitt. Dann fühlen sich alte Menschen wohl und nehmen alles gut wahr. Mehr zum Thema auf der Seite Seniorenfreundliches Hören.

Bei anspruchsvollen Präsentationen (z.B. Führungen) gibt für Senioren andere Schwerpunkte. Während junge Menschen (aus Zeitmangel und auch wegen mangelnder Einsicht) sich gerne nur mit den Fakten abgeben wollen, sind alte Menschen sehr viel mehr an Hintergrundinformationen, geschichtlichen Zusammenhängen, langfristigen Entwicklungen und Strömungen interessiert. Sie wollen auch mehr Zeit aufwenden und in jedem Fall selbst Fragen stellen oder eigene Einsichten dazufügen. Wenn es geht, wollen sie im Sitzen und nicht im Stehen zuhören!

Wer Internetseiten für die Zielgruppe der Senioren entwickeln will, sollte sie zumindest "barrierefrei" gestalten. Damit trifft man zwar nicht alle Kriterien, aber doch ganz wichtige.

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Wenn die Sinne schwächer werden, müssen die Signale stärker werden, damit die Kommunikation klappt. Technisch kann man dies durch vermehrte Redundanz und höheren Störabstand beschreiben. Was heißt dies nun?

Höherer Störabstand bedeutet z.B., dass man lauter redet. Damit wird der Pegel des Signals (Rede) höher als der Pegel der Umgebungsgeräusche. Aber hier stößt man schnell an Grenzen. Wenn jemand wirklich schwerhörig ist, dann bringt dies kaum noch was. Genauso, wenn jemand fast blind ist, dann nützt auch das hellste Licht nicht mehr viel.

Besser ist es, zusätzlich die Redundanz zu erhöhen und zwar mit mehreren Sinneskanälen. Konkret könnte dies heißen, optische und akustische Signale parallel einzusetzen. Dies wird auch häufig in täglichen Anwendungen genützt, wie z.B beim Telefon, das nicht nur klingelt, sondern auch blinkt. Dort setzen wir auch taktile Signale (die über die Haut gehen) ein, wie die Vibration.

Nicht vergessen sollte man den Signalweg über den Geruch. Er wird vor allem zum Locken verwendet, wer kann z.B. schon dem Geruch von frischen Brötchen widerstehen, kann aber auch warnen, wie die verbrannte Milch in der Küche.

Aber auch innerhalb eines Signalweges kann man redundant verfahren, das heißt mehr Informationen anbieten, als unbedingt notwendig ist. An einfachsten kann man dies bei optischen Hinweisen zeigen. Dort kann man nicht nur die Form der Signalschilder variieren, sondern auch Farbe, Beschriftung, ob sie blinken etc. Zu feine Unterscheidungen werden allerdings weniger wahrgenommen und auch die Farbe verliert im Alter an Bedeutung.

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Die Fähigkeiten zum  Riechen und Schmecken verändern sich im Alter, sie nehmen aus vielerlei Gründen ab. So sind vor allem Riechstörungen häufig. Insgesamt sind diese Störungen oft verantwortlich, dass alte Menschen mehr essen, als sie brauchen und vor allem Süßes bevorzugen und deswegen auch zu dick werden.

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Wahrnehmung erfolgt leichter, wenn sie mit wenig Stress geschieht. Stress reduziert die Aufnahmefähigkeit, macht den Informationskanal zu (channel overflow), wie man dies technisch ausdrückt. Für Senioren ensteht leicht Stress, wenn ihnen ihre Freiheit genommen wird, wenn sie z.B. nicht genügend Zeit bekommen. Was Jugendlichen vielleicht bei der Wahrnehmung zusätzliche Freude verursacht, einen Kick auslöst, kann bei Alten dazu führen, dass sie gar nichts mehr wahrnehmen, bzw. das angebotene Informationsangebot ablehnen.

Wie bei allen anderen Angeboten für Seniorenfreundlichkeit ist es auch hier angebracht, einen Test mit den Seniorinnen und Senioren machen. Es gibt inzwischen Seniorenscouts dafür. Erst danach wird man beurteilen können, was tatsächlich wahrgenommen wird.

Wahrnehmung wird sehr stark von der Vorerfahrung, von dem, was man schon kennt, geprägt. Da sich diese ständig ändert, wird auch in einigen Jahren sich das Bild für Senioren ändern. Wer 70 Jahre alt in 2007 ist, also 1937 geboren wurde, wird z.B. eine ganz andere Einstellung zu Bildschirminformationen haben, als ein 70 Jähriger in 2025, der 1955 geboren wurde und mit dem Computer aufgewachsen ist.

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